Die Liebesfrau
1885- Nackt. Ich bin es nicht gewohnt. Du wirst so groß und so weiß, Geliebte. Glitzernd wie der Mond, wie der Mond im Mai.
Du bist zweibrüstig, behaart und muskelblank, so hüftenrüstig und tänzerinnenschwank.
Gib dich her! Draußen fallen die Regen. Die Fenster sind leer, verbergen uns… - allen, allen! - Wie viel wiegt dein Haar? Es ist sehr schwer.
- Wo sind deine Küsse? Meine Kehle ist gegallt, küsse du mich mit deinen Lippen! - Frierst du? - Du bist so kalt und tot in deinen hellen Rippen.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Liebesfrau" von Paul Boldt handelt von einer surrealen und verstörenden Begegnung zwischen dem lyrischen Ich und einer Geliebten. Die Sprache ist geprägt von kontrastreichen Bildern und einer düsteren Stimmung, die die Unheimlichkeit der Situation unterstreicht. Im ersten Teil des Gedichts beschreibt das lyrische Ich die Geliebte als nackt, groß und weiß, vergleicht sie mit dem glitzernden Mond im Mai. Diese Beschreibung verleiht der Geliebten eine fast überirdische Schönheit, die jedoch gleichzeitig eine gewisse Kälte und Distanz ausstrahlt. Die Zweibrüstigkeit, die Behaarung und die muskulöse, hüftreiche Figur der Geliebten werden in den folgenden Versen detailliert beschrieben, was ihre Körperlichkeit und Sinnlichkeit betont. Der zweite Teil des Gedichts nimmt eine unheimliche Wendung, als das lyrische Ich die Geliebte auffordert, sich hinzugeben, während draußen der Regen fällt und die Fenster leer sind. Die Frage nach dem Gewicht des Haares der Geliebten und die Erkenntnis, dass sie kalt und tot in ihren hellen Rippen ist, verdeutlichen die bizarre und unheimliche Natur der Begegnung. Die Geliebte scheint eine Art unerreichbare, tote oder übernatürliche Figur zu sein, die das lyrische Ich trotzdem begehrt und nach ihren Küssen verlangt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- behaart und muskelblank, so hüftenrüstig und tänzerinnenschwank.
- Anapher
- allen, allen!
- Hyperbel
- Wie viel wiegt dein Haar? Es ist sehr schwer.
- Kontrast
- Du bist so kalt und tot in deinen hellen Rippen.
- Metapher
- Geliebte. Glitzernd wie der Mond, wie der Mond im Mai.
- Personifikation
- Draußen fallen die Regen.
- Vergleich
- wie der Mond im Mai.