Die Liebende schreibt

Johann Wolfgang von Goethe

1749

Ein Blick von deinen Augen in die meinen, Ein Kuß von deinem Mund auf meinem Munde, Wer davon hat, wie ich, gewisse Kunde, Mag dem was anders wohl erfreulich scheinen?

Entfernt von dir, entfremdet von den Meinen, Führ ich stets die Gedanken in die Runde, Und immer treffen sie auf jene Stunde, Die einzige; da fang ich an zu weinen.

Die Träne trocknet wieder unversehens: Er liebt ja, denk ich, her in diese Stille, Und solltest du nicht in die Ferne reichen?

Vernimm das Lispeln dieses Liebewehens; Mein einzig Glück auf Erden ist dein Wille, Dein freundlicher zu mir; gib mir ein Zeichen!

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Interpretation

Das Gedicht "Die Liebende schreibt" von Johann Wolfgang von Goethe handelt von der tiefen Sehnsucht und Liebe einer Frau zu ihrem Geliebten. Die Sprecherin beschreibt die Intensität ihrer Gefühle, die durch einen Blick und einen Kuss ausgelöst wurden. Sie fragt sich, ob es für jemanden, der solch eine Erfahrung gemacht hat, etwas anderes geben kann, das ebenso erfreulich erscheint. In der zweiten Strophe reflektiert die Sprecherin über die Trennung von ihrem Geliebten und die damit verbundene Entfremdung von ihrer Umgebung. Sie ist ständig in Gedanken bei ihm und kann nicht anders, als an die einzige Stunde zu denken, in der sie mit ihm zusammen war. Diese Erinnerung bringt sie zum Weinen, da sie die Sehnsucht und das Verlangen nach ihm nicht länger ertragen kann. In der dritten Strophe findet die Sprecherin Trost in dem Gedanken, dass ihr Geliebter sie ebenfalls liebt und ihr in die Ferne reicht. Sie bittet ihn, auf ihr leises Wehklagen zu hören und ihr ein Zeichen seiner Liebe zu geben. Ihr größtes Glück auf Erden ist der Wille ihres Geliebten und seine Freundlichkeit ihr gegenüber. Sie sehnt sich danach, von ihm geliebt und anerkannt zu werden und bittet ihn inständig um ein Zeichen seiner Zuneigung.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Ein Blick von deinen Augen in die meinen, Ein Kuß von deinem Mund auf meinem Munde
Apostrophe
Vernimm das Lispeln dieses Liebewehens
Hyperbel
Mein einzig Glück auf Erden ist dein Wille
Kontrast
Entfernt von dir, entfremdet von den Meinen
Metapher
Und solltest du nicht in die Ferne reichen?
Parallelismus
Führ ich stets die Gedanken in die Runde, Und immer treffen sie auf jene Stunde
Personifikation
Die Träne trocknet wieder unversehens
Rhetorische Frage
Wer davon hat, wie ich, gewisse Kunde, Mag dem was anders wohl erfreulich scheinen?