Die Liebe
1869Es rauscht durch unseren Schlaf ein feines Wehen wie Seide, wie pochendes Erblühen Über uns beide.
Und ich werde heimwärts von deinem Atem getragen, durch verzauberte Märchen, durch verschüttete Sagen.
Und mein Dornenlächeln spielt mit deinen urtiefen Zügen, und es kommen die Erden sich an uns zu schmiegen.
Es rauscht durch unseren Schlaf ein feines Wehen wie Seide - der weltalte Traum segnet uns beide.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Liebe" von Else Lasker-Schüler ist eine lyrische Erkundung der Intimität und des tiefen emotionalen Zusammenhangs zwischen zwei Liebenden. Die ersten Zeilen schaffen eine Atmosphäre von Sanftheit und Zärtlichkeit, wobei das "feine Wehen wie Seide" eine sanfte, beruhigende Präsenz andeutet, die den Schlaf der Liebenden durchdringt. Dieses Bild von Seide und dem "pochenden Erblühen" vermittelt ein Gefühl von Schönheit und Wachstum, das über den beiden schwebt und ihre Verbindung symbolisiert. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Reise der Liebe als eine Heimkehr beschrieben, getragen vom Atem des Geliebten. Die "verzauberten Märchen" und "verschütteten Sagen" deuten auf eine tiefe, fast mythische Verbindung hin, die über das Alltägliche hinausgeht. Das "Dornenlächeln" spielt mit den "urtiefen Zügen" des Partners, was auf eine komplexe, möglicherweise schmerzhafte, aber dennoch liebevolle Interaktion hindeutet. Die Erde, die sich "an uns zu schmiegen" kommt, unterstreicht die Verbundenheit mit der Natur und der Welt um sie herum. Im letzten Teil kehrt das Gedicht zum Anfang zurück, mit dem "feinen Wehen wie Seide", das erneut durch ihren Schlaf rauscht. Der "weltalte Traum" segnet die Liebenden, was auf eine zeitlose, universelle Qualität ihrer Liebe hindeutet. Dieses abschließende Bild verleiht dem Gedicht eine heilige, fast sakrale Dimension und betont die Beständigkeit und Tiefe ihrer Verbindung.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Metapher
- Es rauscht durch unseren Schlaf ein feines Wehen wie Seide
- Personifikation
- Und es kommen die Erden sich an uns zu schmiegen
- Vergleich
- Es rauscht durch unseren Schlaf ein feines Wehen wie Seide
- Wiederholung
- Es rauscht durch unseren Schlaf ein feines Wehen wie Seide