Die Lieb ist billich ja in allem keusch zu schätzen...
1637Die Lieb′ ist billich ja in allem keusch zu schätzen / sie ist das Guhte selbst; wer ihr sich gantz ergiebt / der wird geliebt / und liebt / der liebt und wird geliebt / er kan sich ewiglich mit süßer Lust ergetzen / zu letzt entkompt er auch des Todes grimmen Netzen / und lebt noch einst so lang / er wird gahr nicht betrübt / weil er die Frewde hat; im fall er Lieben übt / kan ihn das Unglück auch zu keiner Zeit verletzen / er lebt in wahrer Ruh / in stehter Einigkeit / darff nicht zu Felde ziehn / er führt den süßen Streit. Wem wil dan nicht dis Tuhn / diß süße Tuhn gefallen / das uns wie Brodt ernehrt? der muß ein Unmensch seyn / der stirbet / weil er lebt / er ist ein Klotz und Stein / er ist ein höltzern Bild / sein Hertz ist vohn Metallen.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Lieb ist billich ja in allem keusch zu schätzen" von Sibylla Schwarz handelt von der Liebe als einer reinen und tugendhaften Kraft, die den Menschen Glück und Erfüllung bringt. Die Liebe wird als etwas Positives und Wertvolles dargestellt, das den Liebenden Schutz vor dem Tod und Unglück bietet. Der Sprecher preist die Liebe als eine Quelle ewiger Freude und Zufriedenheit, die den Menschen in Einigkeit und Frieden leben lässt. In den folgenden Strophen wird die Liebe als etwas Natürliches und Notwendiges für das menschliche Dasein beschrieben, das wie Brot die Menschen ernährt und am Leben erhält. Wer die Liebe ablehnt oder nicht praktiziert, wird als unmenschlich und leblos dargestellt, als ein "Klotz und Stein" oder ein "höltzern Bild" mit einem herzlosen, metallenen Inneren. Der Kontrast zwischen den Liebenden, die in Freude und Harmonie leben, und den Liebesverweigerern, die als leblose, gefühllose Wesen beschrieben werden, unterstreicht die zentrale Bedeutung der Liebe für ein erfülltes und glückliches Leben. Das Gedicht endet mit einer rhetorischen Frage, die den Leser dazu auffordert, die Vorteile der Liebe zu erkennen und sich ihrer zu öffnen. Die Liebe wird als eine süße und verführerische Kraft dargestellt, der sich niemand entziehen kann oder will. Der Sprecher betont die Universalität und Notwendigkeit der Liebe für das menschliche Glück und Wohlbefinden und ruft dazu auf, die Liebe zu umarmen und zu praktizieren, um ein erfülltes und zufriedenes Leben zu führen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Chiasmus
- wer ihr sich gantz ergiebt / der wird geliebt / und liebt / der liebt und wird geliebt
- Hyperbel
- er kan sich ewiglich mit süßer Lust ergetzen
- Kontrast
- er lebt in wahrer Ruh / in stehter Einigkeit / darff nicht zu Felde ziehn / er führt den süßen Streit
- Metapher
- der muß ein Unmensch seyn / der stirbet / weil er lebt / er ist ein Klotz und Stein / er ist ein höltzern Bild / sein Hertz ist vohn Metallen
- Parallelismus
- die Lieb ist billich ja in allem keusch zu schätzen / sie ist das Guhte selbst
- Personifikation
- er wird geliebt / und liebt
- Rhetorische Frage
- Wem wil dan nicht dis Tuhn / diß süße Tuhn gefallen
- Vergleich
- das uns wie Brodt ernehrt