Die Lerche
18041
Ich kann hier nicht singen, Aus dieser Mauern dunklen Ringen Muß ich mich schwingen Vor Lust und tiefem Weh. O Freude, in klarer Höh Zu sinken und sich zu heben, In Gesang Über die grüne Erde dahin zu schweben, Wie unten die licht′ und dunkeln Streifen Wechselnd im Fluge vorüberschweifen, Aus der Tiefe ein Wirren und Rauschen und Hämmern, Die Erde aufschimmernd im Frühlingsdämmern, Wie ist die Welt so voller Klang! Herz, was bist du bang? Mußt aufwärts dringen! Die Sonne tritt hervor, Wie glänzen mir Brust und Schwingen, Wie still und weit ists droben am Himmelstor!
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Ich hörte in Träumen Ein Rauschen gehn, Und sah die Wipfel sich säumen Von allen Höhn - Ists ein Brand, ists die Sonne? Ich weiß es nicht, Doch ein Schauer voll Wonne Durch die Seele bricht. Schon blitzts aus der Tiefe und schlagen Die Glocken und schlängelnder Ströme Lauf Rauscht glänzend her, Und die glühenden Berge ragen Wie Inseln aus weitem dämmernden Meer. Noch kann ich nichts sagen, Beglänzt die Brust, Nur mit den Flügeln schlagen Vor großer selger Lust!
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Interpretation
Das Gedicht "Die Lerche" von Joseph von Eichendorff handelt von der Sehnsucht und dem inneren Konflikt einer Lerche, die sich nach Freiheit und höheren Sphären sehnt. In der ersten Strophe beschreibt die Lerche ihre Unfähigkeit, in den dunklen Mauern zu singen, und drückt den Wunsch aus, sich in die Höhe zu schwingen, um in der klaren Höhe zu sinken und sich zu erheben. Die Lerche möchte über die grüne Erde schweben und dabei die wechselnden Farben der Landschaft beobachten. Sie empfindet eine Mischung aus Freude und tiefer Sehnsucht, während sie die Geräusche und das Rauschen der Erde hört. Die Welt erscheint ihr voller Klang, und sie fragt sich, warum ihr Herz bang ist. Sie muss nach oben streben und die Sonne sieht ihr strahlendes Brustgefieder und ihre Flügel. Die Stille und Weite des Himmels beeindrucken sie. In der zweiten Strophe träumt die Lerche von einem Rauschen und sieht die Baumwipfel von den Höhen gesäumt. Sie ist sich unsicher, ob es ein Brand oder die Sonne ist, aber ein Schauer voller Wonne durchbricht ihre Seele. Aus der Tiefe blitzt es, und die Glocken und glänzenden Ströme rauschen herbei. Die glühenden Berge ragen wie Inseln aus einem weiten, dämmernden Meer. Die Lerche kann noch nichts sagen, aber ihre Brust leuchtet. Sie schlägt nur mit den Flügeln vor großer, seliger Lust. Insgesamt vermittelt das Gedicht die innere Zerrissenheit der Lerche zwischen ihrem Gefangensein in den Mauern und ihrem Verlangen nach Freiheit und höheren Sphären. Es drückt die Schönheit und die Sehnsucht der Natur aus und zeigt die tiefe Verbundenheit der Lerche mit der Welt um sie herum.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Wie ist die Welt so voller Klang!
- Kontrast
- Die Erde aufschimmernd im Frühlingsdämmern
- Metapher
- Die Erde aufschimmernd im Frühlingsdämmern
- Personifikation
- Schon blitzts aus der Tiefe
- Symbolik
- Die Sonne