Die Launen der Verliebten

Heinrich Heine

1853

Der Käfer saß auf dem Zaun, betrübt; Er hat sich in eine Fliege verliebt.

“Du bist, o Fliege meiner Seele, Die Gattin, die ich auserwähle.

Heirate mich und sei mir hold! Ich hab einen Bauch von eitel Gold.

Mein Rücken ist eine wahre Pracht; Da flammt der Rubin, da glänzt der Smaragd.”

“O daß ich eine Närrin wär! Ein’n Käfer nehm ich nimmermehr.

Mich lockt nicht Gold, Rubin und Smaragd; Ich weiß, daß Reichtum nicht glücklich macht.

Nach Idealen schwärmt mein Sinn, Weil ich eine stolze Fliege bin.” -

Der Käfer flog fort mit großem Grämen; Die Fliege ging, ein Bad zu nehmen.

“Wo ist denn meine Magd, die Biene, Daß sie beim Waschen mich bediene;

Daß sie mir streichle die feine Haut, Denn ich bin eines Käfers Braut.

Wahrhaftig, ich mach eine große Partie; Viel schöneren Käfer gab es nie.

Sein Rücken ist eine wahre Pracht; Da flammt der Rubin, da glänzt der Smaragd.

Sein Bauch ist gülden, hat noble Züge; Vor Neid wird bersten gar manche Schmeißfliege.

Spute dich, Bienchen, und frisier mich, Und schnüre die Taille und parfümier mich;

Reib mich mit Rosenessenzen, und gieße Lavendelöl auf meine Füße,

Damit ich gar nicht stinken tu, Wenn ich in des Bräut’gams Armen ruh.

Schon flirren heran die blauen Libellen, Und huldigen mir als Ehrenmamsellen.

Sie winden mir in den Jungfernkranz Die weiße Blüte der Pomeranz'.

Viel Musikanten sind eingeladen, Auch Sängerinnen, vornehme Zikaden.

Rohrdommel und Horniß, Bremse und Hummel, Sie sollen trompeten und schlagen die Trummel;

Sie sollen aufspielen zum Hochzeitfest - Schon kommen die buntbeflügelten Gäst',

Schon kommt die Familie, geputzt und munter; Gemeine Insekten sind viele darunter.

Heuschrecken und Wespen, Muhmen und Basen, Sie kommen heran - die Trompeten blasen.

Der Pastor Maulwurf im schwarzen Ornat, Da kommt er gleichfalls - es ist schon spat.

Die Glocken läuten, bim-bam, bim-bam - Wo bleibt mein liebster Bräutigam?” - -

Bim-bam, bim-bam, klingt Glockengeläute, Der Bräutigam aber flog fort ins Weite.

Die Glocken läuten, bim-bam, bim-bam - “Wo bleibt mein liebster Bräutigam?”

Der Bräutigam hat unterdessen Auf einem fernen Misthaufen gesessen.

Dort blieb er sitzen sieben Jahr’, Bis daß die Braut verfaulet war.

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Illustration zu Die Launen der Verliebten

Interpretation

Das Gedicht "Die Launen der Verliebten" von Heinrich Heine erzählt eine ironische Geschichte über die unerfüllte Liebe eines Käfers zu einer Fliege. Der Käfer, der die Fliege um ihre Hand anhält, wird von ihr abgelehnt, da sie nach Idealen strebt und Reichtum nicht glücklich macht. Die Fliege träumt von einer großen Hochzeit mit Musikanten, Gästen und einem Pastor, während der Käfer sich in die Ferne davon macht. Die Fliege bereitet sich in ihrer Vorstellung auf die Hochzeit vor, indem sie sich von einer Biene bedienen und mit Rosenessenzen parfümieren lässt. Sie erwartet zahlreiche Gäste, darunter Libellen, Zikaden und andere Insekten, die zur Hochzeit kommen sollen. Die Fliege träumt von einer prächtigen Zeremonie mit Musik und einem Pastor in schwarzem Ornat. Doch der Käfer, der eigentliche Bräutigam, ist schon lange fortgeflogen und lässt die Fliege alleine zurück. Die Fliege wartet vergeblich auf ihren Geliebten, während die Glocken läuten. In der Zwischenzeit hat sich der Käfer auf einem fernen Misthaufen niedergelassen und bleibt dort sieben Jahre sitzen, bis die Braut verfaulet ist. Das Gedicht endet mit einer tragischen Pointe, die die Eitelkeit und Selbstüberschätzung der Fliege aufs Korn nimmt.

Schlüsselwörter

bim bam käfer fliege bräutigam rubin smaragd bauch

Wortwolke

Wortwolke zu Die Launen der Verliebten

Stilmittel

Alliteration
Vor Neid wird bersten gar manche Schmeißfliege.
Bildsprache
Sein Rücken ist eine wahre Pracht; Da flammt der Rubin, da glänzt der Smaragd.
Hyperbel
Sein Bauch ist gülden, hat noble Züge; Vor Neid wird bersten gar manche Schmeißfliege.
Ironie
Der Bräutigam hat unterdessen Auf einem fernen Misthaufen gesessen.
Kontrast
Mich lockt nicht Gold, Rubin und Smaragd; Ich weiß, daß Reichtum nicht glücklich macht.
Metapher
Du bist, o Fliege meiner Seele, Die Gattin, die ich auserwähle.
Personifikation
Die Glocken läuten, bim-bam, bim-bam.
Wiederholung
Die Glocken läuten, bim-bam, bim-bam - 'Wo bleibt mein liebster Bräutigam?'
Übertreibung
Dort blieb er sitzen sieben Jahr', Bis daß die Braut verfaulet war.