Die Königstochter
1866»Was brütest und träumst du, junger Fant? Heut gilt es kein Lied zur Zither; Links weichen die Unsern; dort halte stand, Und selbst dich schlag′ ich zum Ritter!«
Errötend stürmte der Edelknecht Beim Wort des Königs von dannen; In die dichtesten Reihn der Feinde hinein Von neuem riß er die Mannen.
Hoch flammte sein Schwert; zu Boden sank Ein Feind bei jedem der Streiche; Beim sinkenden Tag am Boden lag Der Jüngling selber als Leiche.
Gewonnen der Sieg! Zur Hauptstadt kehrt Der König mit seinen Vasallen; Doch traurige Mär bei der Wiederkehr Liest er in den Blicken von allen.
Er findet die Tochter totenbleich Aufs Purpurkissen gebettet. »Auf, sendet Boten! Mein halbes Reich Dem, der vom Tode sie rettet!«
Nicht einer, so viele der Aerzte sind, Weiß, was ihr fehle, zu sagen. Bang forscht der Vater: »Was ist dir, Kind?« Stumm bleibt sie bei allen Fragen.
»Und zehrt am Herzen dir Liebesqual, O Tochter, hör mich geloben: Wen immer du wählst, er sei dein Gemahl!« Sie schaut, wie jammernd, nach oben.
Der König wacht an der Lagerstatt, Bis blaß aufdämmert der Morgen; Da hebt mit der Rechten die Kranke ein Blatt, Das sie auf dem Busen verborgen,
Und küßt es lange und seufzt so tief, Als fühlte das Herz sie zerspringen: »Leb wohl! Das ist sein letzter Brief; Ich will ihm die Antwort bringen.«
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Interpretation
Das Gedicht "Die Königstochter" von Adolf Friedrich Graf von Schack erzählt die tragische Geschichte eines Ritters, der im Kampf für seinen König fällt. Der König fordert seinen Edelknecht auf, im Kampf standzuhalten und ihn zum Ritter zu schlagen. Der Edelknecht kämpft tapfer, stürzt sich in die dichtesten Reihen der Feinde und reißt die Mannen mit sich. Sein Schwert lodert, und er schickt einen Feind nach dem anderen zu Boden. Doch als der Tag sinkt, liegt der junge Ritter selbst als Leiche am Boden. Der Sieg ist errungen, und der König kehrt mit seinen Vasallen in die Hauptstadt zurück. Doch die Stimmung ist gedrückt, und der König spürt die traurige Botschaft in den Blicken der Menschen. Er findet seine Tochter bleich und auf einem purpurroten Kissen liegend vor. In seiner Verzweiflung verspricht er, wer sie vom Tod erretten kann, die Hälfte seines Reiches. Doch keiner der vielen Ärzte kann sagen, was ihr fehlt. Der König fragt bang, was ihr fehle, aber sie bleibt stumm bei allen Fragen. In seiner Verzweiflung verspricht der König, dass sie den Mann heiraten darf, den sie wählt. Die Kranke hebt mit ihrer rechten Hand ein Blatt, das sie auf ihrem Busen verborgen hielt, und küsst es lange. Mit einem tiefen Seufzer, als würde ihr Herz zerspringen, sagt sie Lebewohl. Es ist der letzte Brief ihres Geliebten, und sie will ihm die Antwort bringen. Die Königstochter stirbt an gebrochenem Herzen, weil ihr Geliebter, der tapfere Ritter, im Kampf gefallen ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Heut gilt es kein Lied zur Zither;
- Anapher
- »Was brütest und träumst du, junger Fant?
- Bildsprache
- Das ist sein letzter Brief; Ich will ihm die Antwort bringen.
- Hyperbel
- Zu Boden sank Ein Feind bei jedem der Streiche
- Metapher
- Errötend stürmte der Edelknecht
- Personifikation
- Hoch flammte sein Schwert
- Symbolik
- Die Königstochter totenbleich Aufs Purpurkissen gebettet