Die kleine Hexe
1844So lang noch hübsch mein Leibchen, Lohnt sich’s schon, fromm zu sein. Man weiß, Gott liebt die Weibchen, Die hübschen obendrein. Er wird’s dem art’gen Mönchlein Gewisslich gern verzeihn, Dass er, gleich manchem Mönchlein, So gern will bei mir sein.
Kein grauer Kirchenvater! Nein, jung noch und oft roth, Oft gleich dem grausten Kater Voll Eifersucht und Noth! Ich liebe nicht die Greise, Er liebt die Alten nicht: Wie wunderlich und weise Hat Gott dies eingericht!
Die Kirche weiß zu leben, Sie prüft Herz und Gesicht. Stets will sie mir vergeben: - Ja wer vergiebt mir nicht! Man lispelt mit dem Mündchen, Man knixt und geht hinaus Und mit dem neuen Sündchen Löscht man das alte aus.
Gelobt sei Gott auf Erden, Der hübsche Mädchen liebt Und derlei Herzbeschwerden Sich selber gern vergiebt! So lang noch hübsch mein Leibchen, Lohnt sich’s schon, fromm zu sein: Als altes Wackelweibchen Mag mich der Teufel frein!
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Die kleine Hexe" von Friedrich Nietzsche thematisiert die Ironie und Doppelmoral in der christlichen Kirche. Die kleine Hexe nutzt ihre Schönheit und Jugend, um die Mönche zu verführen, während die Kirche vorgibt, sie zu vergeben und zu akzeptieren. Die Hexe kritisiert die alten Kirchenväter und betont, dass Gott die jungen und attraktiven Frauen bevorzugt. Sie spielt mit den Sünden und Geständnissen der Mönche, um ihre eigene Position zu stärken. Die Hexe zeigt sich als geschickte Manipulatorin, die die Schwächen der Kirche und ihrer Vertreter ausnutzt. Sie weiß, dass die Mönche sie trotz ihrer angeblichen Sünden nicht wirklich verurteilen werden, solange sie jung und hübsch bleibt. Die Kirche gibt vor, die Sünden zu vergeben, doch in Wirklichkeit sind es die Mönche, die von der Hexe verführt werden und ihre eigenen Sünden begehen. Die Hexe nutzt diese Doppelmoral zu ihrem Vorteil und spielt mit den Vorstellungen von Sünde und Vergebung. Am Ende des Gedichts deutet die Hexe an, dass sie, sobald sie alt und unattraktiv wird, von den Männern der Kirche fallen gelassen wird. Sie sagt, dass sie dann vom Teufel freien mag, was darauf hindeutet, dass sie in der Hölle willkommen geheißen wird, da sie in der Kirche nicht mehr gebraucht wird. Das Gedicht kritisiert die Heuchelei und die Oberflächlichkeit der christlichen Kirche und ihrer Vertreter, die Schönheit und Jugend über wahre Tugend stellen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- So lang noch hübsch mein Leibchen
- Ironie
- Ja wer vergiebt mir nicht!
- Kontrast
- Kein grauer Kirchenvater! Nein, jung noch und oft roth
- Metapher
- Gott liebt die Weibchen
- Personifikation
- Die Kirche weiß zu leben
- Reimschema
- AABB
- Symbolik
- Teufel frein