Die kleine Fliege

Barthold Heinrich Brockes

unknown

Neulich sah ich, mit Ergetzen, Eine kleine Fliege sich, Auf ein Erlen-Blättchen setzen, Deren Form verwunderlich Von den Fingern der Natur, So an Farb′, als an Figur, Und an bunten Glantz gebildet. Es war ihr klein Köpfgen grün, Und ihr Körperchen vergüldet, Ihrer klaren Flügel Paar, Wenn die Sonne sie beschien, Färbt ein Roth fast wie Rubin, Das, indem es wandelbar, Auch zuweilen bläulich war. Liebster Gott! wie kann doch hier Sich so mancher Farben Zier Auf so kleinem Platz vereinen, Und mit solchem Glantz vermählen, Daß sie wie Metallen scheinen! Rief ich, mit vergnügter Seelen. Wie so künstlich! fiel mir ein, Müssen hier die kleinen Theile In einander eingeschrenckt, durch einander hergelenckt Wunderbar verbunden seyn! Zu dem Endzweck, daß der Schein Unsrer Sonnen und ihr Licht, Das so wunderbarlich-schön, Und von uns sonst nicht zu sehn, Unserm forschenden Gesicht Sichtbar werd, und unser Sinn, Von derselben Pracht gerühret, Durch den Glantz zuletzt dahin Aufgezogen und geführet, Woraus selbst der Sonnen Pracht Erst entsprungen, der die Welt, Wie erschaffen, so erhält, Und so herrlich zubereitet. Hast du also, kleine Fliege, Da ich mir an die vergnüge, selbst zur Gottheit mich geleitet.

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Illustration zu Die kleine Fliege

Interpretation

Das Gedicht "Die kleine Fliege" von Barthold Heinrich Brockes ist eine Ode an die Schönheit der Natur und die Bewunderung für die Schöpfung Gottes. Der Sprecher beobachtet eine kleine Fliege auf einem Erlenblatt und ist fasziniert von ihrer Farbenpracht und Form. Er bewundert die kunstvolle Gestaltung der Fliege, die wie ein Kunstwerk der Natur erscheint. Der Sprecher lobt die Vielfalt der Farben und den Glanz, der an Metall erinnert, und fragt sich, wie so viele Farben auf so kleinem Raum vereint sein können. Der Sprecher reflektiert über die Komplexität der Fliege und die wunderbare Verbindung ihrer Teile. Er erkennt, dass die Fliege dazu dient, das Licht der Sonne sichtbar zu machen und den Betrachter zu erfreuen. Der Sprecher fühlt sich durch den Anblick der Fliege zu einer höheren spirituellen Erfahrung geführt und sieht in ihr einen Weg zur Gotteserkenntnis. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass die Fliege den Sprecher selbst zur Gottheit geführt hat, was auf eine tiefe spirituelle Verbindung zwischen dem Betrachter und der Natur hindeutet.

Schlüsselwörter

glantz kleine fliege einander sonnen pracht selbst neulich

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Die kleinen Theile In einander eingeschrenckt
Anapher
Daß sie wie Metallen scheinen! Rief ich, mit vergnügter Seelen. Wie so künstlich! fiel mir ein
Apostrophe
Liebster Gott! wie kann doch hier Sich so mancher Farben Zier Auf so kleinem Platz vereinen
Bildsprache
Es war ihr klein Köpfgen grün, Und ihr Körperchen vergüldet
Hyperbel
Liebster Gott! wie kann doch hier Sich so mancher Farben Zier Auf so kleinem Platz vereinen
Metapher
Neulich sah ich, mit Ergetzen, Eine kleine Fliege sich
Personifikation
Die kleinen Theile In einander eingeschrenckt, durch einander hergelenckt
Rhetorische Frage
Liebster Gott! wie kann doch hier Sich so mancher Farben Zier Auf so kleinem Platz vereinen
Vergleich
Das, indem es wandelbar, Auch zuweilen bläulich war