Die Keule des Ariovist
1869Nun höret, wie geschehen Der Tod des Ariovist, Den Niemand hat gesehen Und doch passiret ist.
Es ritt in stillem Zoren Der Held, gemächlich faul, Ohn′ Sattel, Zaum und Sporen Auf seinem Schwabengaul.
Auf einer Römerheerstraß, Die fest und bucklig war, Begegnet von der Quergaß Ihm ein verlaufnes Paar.
Es waren alte Römer, Ein Jüngling und ein Mann, Denn ihnen war′s bequemer, Zu lotteln hinten dran.
Vermuthlich Marodierer Von Cäsars wildem Heer, Spaniolen oder Syrer, Man weiß es halt nicht mehr.
Da wollte vor dem König Das Paar den Hut nicht ziehn, Das ärgert ihn nicht wenig, Macht ganz berserkert ihn.
Er ruft mit Hünenstimme Das Kinzigthal entlang, Indeß er hoch im Grimme Die Kugelkeule schwang.
Ich sag′ Euch, machet linksum! Die Keul′ ist spiegelglatt Und rund, und dennoch ringsum Scharf, wie man Messer hat:
Wie Messer zum Rasiren! Merkwürdig! Wo man sucht Die Fläche zu berühren, Da schneidet sie verflucht!
Ich warne euch im Guten, Man siehts dem Ding nicht an, Und wollt Ihr euch nicht sputen, So seid ihr übel dran!
Doch hatten für die Mahnung Die Kerle kein Gehör, Und aus des Mauls Verzahnung Verspotten sie ihn sehr.
Da holt er aus zum Hiebe Und schlägt den Ersten, fein Wie eine alte Rübe, In Erzgrundboden ‘nein.
Der Zweite gleich vor Schrecken Stirbt auf dem Platz und spricht: Vom Roß und von dem Recken Seh′ ich die Bohne nicht!
Ja, wie die Barden melden, So fuhr die Keule noch Mitsammt der Faust des Helden Hinunter in das Loch.
Es war die Wucht zu grimmig, Aus Unvorsichtigkeit! Hört, höret, was einstimmig, Berichteten die Leut!
Es riß der Hieb hinabe Den Reiter und sein Roß, Und lagen sie im Grabe, Das wieder schnell sich schloß.
Der Held nicht konnt′ es wehren, Zu groß war seine Kraft, Mit Besen konnte kehren Man auf der Schneelandschaft.
Jedoch die scharfe Keule Lag jetzt im Boden und Schnitt in der langen Weile Bis heute durch den Grund.
Man fand die mehrgenannte Am Strand Amerika′s - Ein Deutscher sie erkannte, Der jüngst im Cäsar las.
So wollte ich euch singen, Und wollte sagen euch Vom ersten, nicht geringen Genie- und Schwabenstreich.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Die Keule des Ariovist" von Ludwig Eichrodt erzählt die Legende vom Tod des germanischen Anführers Ariovist. Der Held reitet auf einem "Schwabengaul" ohne Sattel oder Zaum über eine Römerstraße, als er auf zwei alte Römer trifft, vermutlich Deserteure aus Cäsars Heer. Diese weigern sich, vor ihm den Hut zu ziehen, was Ariovist in Wut versetzt. Ariovist schwingt seine Kugelkeule, die auf den ersten Blick glatt und rund erscheint, aber in Wirklichkeit scharf wie ein Rasierklinge ist. Er warnt die Römer vergeblich, bevor er den ersten mit einem Schlag in den Boden schlägt. Der zweite stirbt vor Schreck, woraufhin Ariovist mit solcher Wucht zuschwingt, dass er samt Pferd in die Erde stürzt. Die Erde schließt sich über ihnen, und die Keule schneidet sich durch den Boden bis nach Amerika, wo sie später von einem Deutschen gefunden wird, der von Cäsar gelesen hatte. Das Gedicht schildert auf humorvolle und leicht übertriebene Weise den Untergang Ariovists durch seine eigene unkontrollierte Kraft. Es verbindet historische Elemente mit märchenhaften Motiven und endet mit der ironischen Feststellung, dass die Keule ihren Weg bis nach Amerika fand, was auf die spätere Entdeckung der Neuen Welt anspielt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schwabengaul
- Anapher
- Es war die Wucht zu grimmig, Aus Unvorsichtigkeit! Hört, höret, was einstimmig, Berichteten die Leut!
- Anspielung
- Ein Deutscher sie erkannte, Der jüngst im Cäsar las
- Bildsprache
- Der Held, gemächlich faul, Ohn' Sattel, Zaum und Sporen Auf seinem Schwabengaul
- Hyperbel
- Mit Besen konnte kehren Man auf der Schneelandschaft
- Ironie
- Vom ersten, nicht geringen Genie- und Schwabenstreich
- Metapher
- Die Kugelkeule
- Personifikation
- Das wieder schnell sich schloss
- Vergleich
- Wie eine alte Rübe