Die Katzen
1899Sie sind sehr kühl und biegsam, wenn sie schreiten, Und ihre Leiber fließen sanft entlang. Wenn sie die blumenhaften Füße breiten, Schmiegt sich die Erde ihrem runden Gang.
Ihr Blick ist demuthaft und manchmal etwas irr. Dann spinnen ihre Krallen fremde Fäden, Aus Haar und Seide schmerzliches Gewirr, Vor Kellerstufen und zerbrochnen Läden.
Im Abend sind sie groß und ganz entrückt, Verzauberte auf nächtlich weißen Steinen, In Schmerz und Wollust sehnsuchtskrank verzückt Hörst du sie fern durch deine Nächte weinen.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Katzen" von Maria Luise Weissmann zeichnet ein facettenreiches Bild dieser Tiere, das sowohl ihre äußere Anmut als auch ihre geheimnisvolle, oft ambivalente Natur einfängt. Die Katzen werden als kühl und biegsam beschrieben, ihre Bewegungen sind sanft und fließend, was ihre Eleganz und Anmut unterstreicht. Die Erde scheint sich ihrem runden Gang anzupassen, was ihre Harmonie mit der Umwelt verdeutlicht. Im zweiten Teil des Gedichts wird eine tiefere, komplexere Seite der Katzen enthüllt. Ihr Blick wird als demütig, aber manchmal auch etwas irr beschrieben, was auf eine verborgene Intensität oder Unberechenbarkeit hindeutet. Die Krallen, die fremde Fäden spinnen, symbolisieren die Fähigkeit der Katzen, Schmerz und Schönheit zu verweben, wie es in dem "schmerzlichen Gewirr" aus Haar und Seide zum Ausdruck kommt. Diese Bilder evozieren eine Mischung aus Verletzlichkeit und Gefahr, die die Katzen umgibt. Im letzten Teil des Gedichts werden die Katzen in der Abenddämmerung als entrückt und verzaubert dargestellt. Sie scheinen in einer Welt jenseits des Gewöhnlichen zu existieren, auf nächtlich weißen Steinen, erfüllt von Schmerz und Wollust. Ihr Weinen, das man durch die Nächte hört, vermittelt eine tiefe Sehnsucht und Melancholie. Dieses Bild verleiht den Katzen eine fast mythische Qualität, die ihre geheimnisvolle und faszinierende Natur unterstreicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Hörst du sie fern durch deine Nächte weinen
- Metapher
- In Schmerz und Wollust sehnsuchtskrank verzückt
- Personifikation
- Schmiegt sich die Erde ihrem runden Gang