Die Jagd

Friederike Kempner

1828

Hell der Himmel ist erleuchtet, Sonnenstrahlen hin und her, Frischer Tau den Rasen feuchtet, Silbern glänzt das Jagdgewehr.

Eine Jagd ist′s! Blutig jagend Eilt der Jäger durch den Wald, Für das Böse Alles wagend, Mordruf weit und breit erschallt!

Aufgescheucht flieh′n junge Rehe Von dem blut′gen Schauplatz fort, Doch der Jäger Todesnähe Eilet nach von Ort zu Ort.

Mit der Hast, dem wilden Grimme, Der das Böse gern beschönt, Der betäubend jene Stimme Ernsten Mahnens wild verhöhnt.

Bei dem blut′gen Reh daneben Steht der Schütze, blutig rot: “Räche Gott, mein schuldlos Leben” - Fleht das Tier vor seinem Tod.

Trotzig glänzt des Waidmanns Miene Bei des jungen Rehes Blut Und es war, als wenn′s ihm schiene Heute hätt′ er Glück und Gut! -

“O, dass ich den Bock erwische” Und so stürzt er rasend fort, Und bleibt hängen im Gebüsche, Fremdes Ross, es tummelt dort;

Schleift den Jäger zu der Heide, Wo das Tier getroffen liegt, Still am Boden liegen Beide, Schuldlos Reh hat obsiegt!

Endlich macht es eine Runde, Endlich steht das wilde Ross, Doch in selbiger Sekunde Geht des Jägers Büchse los!

Jäger schaut′s mit stierem Blicke, Schmerz durchzuckt sein Angesicht: Jäger, traue Deinem Glücke, Deiner wilden Jagdlust nicht! -

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Illustration zu Die Jagd

Interpretation

Das Gedicht "Die Jagd" von Friederike Kempner beschreibt eine blutige Jagd im Wald, bei der ein Jäger durch den Wald eilt und seine Mordlust befriedigt. Die Natur wird als Kulisse für das grausame Treiben des Jägers genutzt, der ohne Rücksicht auf Verluste jagt und den Tod der Tiere in Kauf nimmt. Das Gedicht verdeutlicht die Grausamkeit und Unbarmherzigkeit des Jägers, der von seiner Jagdlust geblendet ist und die Tiere als willkommene Opfer betrachtet. Die Tiere werden als unschuldig dargestellt und flehen um ihr Leben, doch der Jäger lässt sich nicht von seinem Tun abbringen und setzt seine blutige Jagd fort. Am Ende des Gedichts ereignet sich eine Wendung, als das Pferd des Jägers stolpert und ihn zu Boden wirft. Der Jäger liegt nun neben dem Reh, das er zuvor erlegt hat, und beide sind schuldlos gestorben. Die letzte Strophe warnt den Jäger davor, seiner wilden Jagdlust zu trauen, da sie letztendlich zu seinem eigenen Untergang führen wird.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Sonnenstrahlen hin und her
Bildsprache
Silbern glänzt das Jagdgewehr
Direkte Rede
O, dass ich den Bock erwische
Hyperbel
Für das Böse Alles wagend
Personifikation
Jäger schaut's mit stierem Blicke