Die Insel auf dem Bielersee

Friederike Sophie Christiane Brun

1765

An Rousseau′s Schatten

Wo Wogen das liebliche Eiland umzieh′n, Da sitz ich hoch über dem Felsen im Grün, Und höre, mit schmachtendem Sehnen, Die Fluthen vertönen.

Von ferneher rauschen, mir tief aus dem See Erschallend, empor in die luftige Höh′, Verdoppelte dumpfige Schläge Ans Ufergehege!

Umschwebt nicht im West, der das Eichenblatt beugt, Dein klagender Schatten, ätherisch und leicht, Die vormals geliebten Gefilde Mit himmlischer Milde?

Dort, hoch aus dem silberumflossenen Blau, O senke dich nieder, wie kühlender Thau; Verkünde der traurigen Müden Elysischen Frieden!

Du kanntest dies Sehnen, du kanntest den Schmerz, Der schwer mir belastet das einsame Herz! Nun schöpfst du am Strome der Klarheit Unsterbliche Wahrheit!

Stets glaubend, stillhoffend und liebend wie du, Ach; find′ ich im Schooße der Nacht erst die Ruh′, Entschwebend dem moosigen Hügel Mit strahlendem Flügel?

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Illustration zu Die Insel auf dem Bielersee

Interpretation

Das Gedicht "Die Insel auf dem Bielersee" von Friederike Sophie Christiane Brun ist ein lyrisches Werk, das sich mit Themen wie Sehnsucht, Natur und der Suche nach innerem Frieden auseinandersetzt. Die Sprecherin sitzt auf einer Insel im Bielersee und lauscht den Wellen, die sie an Rousseaus Schatten erinnern. Die Natur wird als Ort der Kontemplation und des Trostes dargestellt, an dem die Sprecherin ihre Gefühle und Gedanken verarbeiten kann. Die Insel wird als ein Ort der Ruhe und des Rückzugs beschrieben, an dem die Sprecherin ihre Sehnsucht nach innerem Frieden ausdrücken kann. Die Wellen des Sees werden als "dumpfige Schläge" beschrieben, die an das Ufer schlagen und eine melancholische Stimmung erzeugen. Die Sprecherin wendet sich an Rousseaus Schatten und bittet ihn, herabzusteigen und ihr den "elysischen Frieden" zu verkünden. Rousseau wird als eine Art Schutzpatron der Natur und der Sehnsucht dargestellt, der die Sprecherin auf ihrem Weg zur inneren Ruhe begleiten kann. Das Gedicht endet mit der Hoffnung der Sprecherin, dass sie erst im "Schooße der Nacht" die ersehnte Ruhe finden wird. Die Nacht wird hier als ein Ort der Dunkelheit und des Rückzugs dargestellt, an dem die Sprecherin ihre Sehnsucht nach innerem Frieden stillen kann. Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung, die von der Suche nach innerem Frieden und der Sehnsucht nach einem Ort der Ruhe und des Rückzugs geprägt ist.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
schmachtendem Sehnen, Die Fluthen vertönen
Anspielung
An Rousseau′s Schatten
Hyperbel
Mit strahlendem Flügel
Kontrast
Die vormals geliebten Gefilde
Metapher
Ätherisch und leicht
Personifikation
Wogen das liebliche Eiland umzieh′n
Symbolik
O senke dich nieder, wie kühlenden Thau