Die Hunde
1864Elegie
Es waren einmal zwei Hunde, Wie war das Herz ihnen schwer! Sie liefen wohl eine Stunde Hintereinander her.
Sie hofften, in liebendem Bunde Werd ihnen leicht und frei, Und waren doch nur zwei Hunde, Und keine Hündin dabei.
Das ist die soziale Misere, Die Sphinx in der Hundewelt, Daß man vom Hundeverkehre Die Hündinnen ferne hält.
Die Hündinnen werden ja häufig Gleich nach der Geburt ersäuft, Und wird eine Hündin läufig, Verhindert man, daß sie läuft.
Man läßt sie aus ihrem Kerker Tag und Nacht nicht heraus; Knurrend liegt Bella im Erker Zu Füßen der Tochter vom Haus.
Lisettchen starrt in die Zeilen Und zittert wohl mit den Knien, Zuckt mit den Lippen bisweilen, Und beide denken an ihn.
Wallt man im Familienvereine Sonntags vors Tor hinaus, Bella geht an der Leine Zugleich mit der Tochter vom Haus.
Hier rücken heran die Studenten, Dort naht sich Nero galant; Wie wird von beiden Enden Die arme Leine gespannt!
In einem Rudel Hunde Kam schließlich man überein, Es möge nun in der Runde Jeder mal Hündin sein.
Das Auge, angstvoll, trübe, Schweift ferne zum Horizont, Als spräch′s: Und das hat der Liebe Himmlische Macht gekonnt.
Der kleine Fritz ging vorüber Und sagte: “Lieber Papa, Sage mir doch, du Lieber, Was machen die Hunde da?”
Papa entgegnet: “Das nennt man, Darf dir nicht sagen wie; An diesen Greueln erkennt man Das lausige Hundevieh.”
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Interpretation
Das Gedicht "Die Hunde" von Frank Wedekind thematisiert die soziale Ungleichheit und Unterdrückung der Hündinnen in der Hundewelt. Es beschreibt, wie zwei Hunde, die hoffen, in liebender Gemeinschaft zu sein, enttäuscht werden, weil keine Hündin dabei ist. Die Hündinnen werden nach der Geburt oft getötet und während der Läufigkeit eingesperrt, was die soziale Misere verdeutlicht. Das Gedicht verdeutlicht die Unterdrückung der Hündinnen durch verschiedene Beispiele. Bella, eine Hündin, liegt knurrend im Erker zu Füßen der Tochter des Hauses. Lisettchen, die Tochter, starrt in die Zeilen und denkt an einen Mann. Bei einem Familienausflug geht Bella an der Leine zusammen mit der Tochter des Hauses, was die Unterdrückung und Abhängigkeit der Hündinnen symbolisiert. Die Spannung zwischen den Studenten und Nero verdeutlicht die Konkurrenz um die Hündinnen. Das Gedicht endet mit der Frage des kleinen Fritz, der seinen Vater fragt, was die Hunde da machen. Der Vater antwortet ausweichend und bezeichnet die Hunde als "lausiges Hundevieh", was die Verachtung und Abwertung der Hunde durch den Menschen verdeutlicht. Das Gedicht kritisiert die soziale Ungleichheit und Unterdrückung der Hündinnen und zeigt die Verachtung der Hunde durch den Menschen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Jeder mal Hündin sein
- Ironie
- An diesen Greueln erkennt man Das lausige Hundevieh
- Metapher
- Die Sphinx in der Hundewelt
- Personifikation
- Das Auge, angstvoll, trübe