Die Holznoth

Adolf Glaßbrenner

1844

Ihr habt, ihr chinesischen Armen, An Holz so große Noth; Euch klappern noch die Zähne Bei Reis und trocknem Brot!

Da hab’ ich, euch, Chinesen! Gesonnen hin und her, Wie euch aus solchen Nöthen Am besten zu helfen wär'.

Und seht, ich hab’s gefunden, Ich schwör’s beim Yiu und Yang! Mein Rath, der soll euch frommen, Euch wärmen lebenslang.

Fällt jeden Stammbaum nieder In eurem himmlischen Land! Ein bess’res Mittel ist mir Beim Tao! nicht bekannt.

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Illustration zu Die Holznoth

Interpretation

Das Gedicht "Die Holznoth" von Adolf Glaßbrenner ist eine satirische Auseinandersetzung mit der Situation der chinesischen Bevölkerung. Es beginnt mit der Darstellung der Armut der Chinesen, die unter einem Mangel an Holz leiden und daher bei einfachen Mahlzeiten wie Reis und trockenem Brot zittern. Der Sprecher, der sich als Helfer präsentiert, überlegt, wie er den Chinesen am besten aus ihrer Not helfen kann. Die Lösung, die der Sprecher findet, ist radikal und humorvoll zugleich. Er rät den Chinesen, jeden Stammbaum in ihrem himmlischen Land zu fällen. Dies ist eine Anspielung auf die chinesische Tradition, Ahnenbäume zu pflegen und zu verehren. Der Sprecher schlägt vor, diese Tradition aufzugeben, um an Holz zu gelangen und sich zu wärmen. Der Ausruf "Beim Tao!" unterstreicht die Ironie, da der Taoismus eine der wichtigsten philosophischen Schulen in China ist. Das Gedicht endet mit der Betonung, dass der Sprecher kein besseres Mittel kennt, um den Chinesen zu helfen. Dies unterstreicht die Absurdität der vorgeschlagenen Lösung und macht deutlich, dass der Sprecher die Situation der Chinesen nicht wirklich versteht oder ernst nimmt. Das Gedicht ist somit eine Kritik an der Arroganz und Ignoranz des Westens gegenüber den kulturellen Traditionen und Nöten des Ostens.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Euch klappern noch die Zähne / Bei Reis und trocknem Brot!
Apostrophe
Ihr habt, ihr chinesischen Armen
Befehlsform
Fällt jeden Stammbaum nieder
Direkte Ansprache
Ihr habt, ihr chinesischen Armen
Exklamation
Bei Reis und trocknem Brot!
Metapher
An Holz so große Noth
Rhetorische Frage
Wie euch aus solchen Nöthen / Am besten zu helfen wär'
Schwurformel
Ich schwör's beim Yiu und Yang!