Die Henne
1815Es war mal eine Henne fein, Die legte fleißig Eier; Und pflegte denn ganz ungemein Wenn sie ein Ei gelegt zu schrein, Als wär im Hause Feuer. Ein alter Truthahn in dem Stall, Der Fait vom Denken machte, Ward bös darob, und Knall und Fall Trat er zur Henn und sagte: “Das Schrein, Frau Nachbarin, war eben nicht vonnöten; Und weil es doch zum Ei nichts tut, So legt das Ei, und damit gut! Hört, seid darum gebeten! Ihr wisset nicht, wie′s durch den Kopf mir geht.” “Hm!” sprach die Nachbarin, und tät Mit einem Fuß vortreten, “Ihr wißt wohl schön, was heuer Die Mode mit sich bringt, Ihr ungezognes Vieh! Erst leg ich meine Eier, Denn rezensier ich sie”
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Interpretation
Das Gedicht "Die Henne" von Matthias Claudius handelt von einer fleißigen Henne, die Eier legt und dabei laut schreit, als ob im Haus Feuer ausgebrochen wäre. Ein alter Truthahn im Stall, der sich als Denker betrachtet, wird davon genervt und tadelt die Henne. Er meint, dass das Schreien unnötig sei, da es dem Ei nichts nütze, und bittet sie, das Ei einfach zu legen und damit gut zu sein. Die Henne reagiert empört auf die Kritik des Truthahns und wirft ihm vor, ungezogen zu sein. Sie betont, dass sie ihre Eier zuerst legt und sie dann rezensiert. Mit dieser Antwort bringt die Henne ihre moderne und selbstbewusste Art zum Ausdruck, die im Kontrast zur traditionellen Denkweise des Truthahns steht. Das Gedicht kann als humorvolle Auseinandersetzung zwischen altmodischen und modernen Ansichten interpretiert werden. Der Truthahn verkörpert die alte Denkweise, die das Schreien der Henne als überflüssig und störend empfindet. Die Henne hingegen repräsentiert die moderne Sichtweise, die Wert auf Selbstausdruck und Individualität legt. Die Rezeption ihrer Eier kann als Metapher für die Bewertung und Reflexion der eigenen Leistungen verstanden werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schrein, Frau Nachbarin
- Ironie
- Und weil es doch zum Ei nichts tut, So legt das Ei, und damit gut!
- Metapher
- Als wär im Hause Feuer
- Personifikation
- Der Fait vom Denken machte
- Rhetorische Frage
- Ihr wißt nicht, wie's durch den Kopf mir geht
- Vergleich
- Als wär im Hause Feuer