Die Heinzelmännchen

August Kopisch

1799

Wie war zu Köln es doch vordem Mit Heinzelmännchen so bequem! Denn, war man faul … man legte sich hin auf die Bank und pflegte sich: Da kamen bei Nacht, ehe man′s gedacht, die Männlein und schwärmten und klappten und lärmten, und rupften und zupften, und hüpften und trabten und putzten und schabten… Und eh ein Faulpelz noch erwacht,… War all sein Tagewerk… bereits gemacht!

Die Zimmerleute streckten sich hin auf die Spän′ und reckten sich. Indessen kam die Geisterschar und sah was da zu zimmern war. Nahm Meißel und Beil und die Säg′ in Eil; sie sägten und stachen und hieben und brachen, berappten und kappten, visierten wie Falken und setzten die Balken… Eh sich′s der Zimmermann versah… Klapp, stand das ganze Haus… schon fertig da!

Beim Bäckermeister war nicht Not, die Heinzelmännchen backten Brot. Die faulen Burschen legten sich, die Heinzelmännchen regten sich - und ächzten daher mit den Säcken schwer! Und kneteten tüchtig und wogen es richtig, und hoben und schoben, und fegten und backten und klopften und hackten. Die Burschen schnarchten noch im Chor, da rückte schon das Brot … das neue, vor!

Beim Fleischer ging es just so zu: Gesell und Bursche lag in Ruh. Indessen kamen die Männlein her und hackten das Schwein die Kreuz und Quer. Das ging so geschwind wie die Mühl′ im Wind! Die klappten mit Beilen, die schnitzten an Speilen, die spülten, die wühlten, und mengten und mischten und stopften und wischten. Tat der Gesell die Augen auf, … wapp! hing die Wurst da schon im Ausverkauf!

Beim Schenken war es so: es trank der Küfer bis er niedersank, am hohlen Fasse schlief er ein, die Männlein sorgten um den Wein, und schwefelten fein alle Fässer ein, und rollten und hoben mit Winden und Kloben, und schwenkten und senkten, und gossen und panschten und mengten und manschten. Und eh der Küfer noch erwacht, war schon der Wein geschönt und fein gemacht!

Einst hatt′ ein Schneider große Pein: der Staatsrock sollte fertig sein; warf hin das Zeug und legte sich hin auf das Ohr und pflegte sich. Das schlüpften sie frisch in den Schneidertisch; da schnitten und rückten und nähten und stickten, und fassten und passten, und strichen und guckten und zupften und ruckten… Und eh mein Schneiderlein erwacht: War Bürgermeisters Rock… bereits gemacht!

Neugierig war des Schneiders Weib, und macht sich diesen Zeitvertreib: streut Erbsen hin die andre Nacht, die Heinzelmännchen kommen sacht: eins fähret nun aus, schlägt hin im Haus, die gleiten von Stufen und plumpen in Kufen, die fallen mit Schallen, die lärmen und schreien und vermaledeien! Sie springt hinunter auf den Schall mit Licht: husch husch husch husch! - verschwinden all!

O weh! nun sind sie alle fort, und keines ist mehr hier am Ort! Man kann nicht mehr wie sonsten ruhn, man muss nun alles selber tun! Ein jeder muss fein selbst fleißig sein, und kratzen und schaben und rennen und traben und schniegeln und biegeln, und klopfen und hacken und kochen und backen. Ach, dass es noch wie damals wär! Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!

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Illustration zu Die Heinzelmännchen

Interpretation

Das Gedicht "Die Heinzelmännchen" von August Kopisch handelt von den sagenhaften Helfern, die einst in Köln lebten und den faulen Menschen die Arbeit abnahmen. Es beschreibt, wie diese kleinen Wesen nachts heimlich die verschiedensten Handwerksarbeiten verrichteten, während die Handwerker und Handwerkerinnen schliefen. Die Heinzelmännchen schnitten, nähten, backten, hackten und kümmerten sich um den Wein, sodass alles perfekt und ohne Mühe erledigt war. Das Gedicht zeichnet ein Bild einer idyllischen Zeit, in der Faulheit belohnt wurde und die Arbeit von unsichtbaren Helfern getan wurde. Die Erzählung nimmt eine Wendung, als die neugierige Frau eines Schneiders versucht, die Heinzelmännchen zu beobachten. Sie streut Erbsen auf den Boden, um die kleinen Wesen zum Stolpern zu bringen. Die Heinzelmännchen kommen zwar, aber durch die Erbsen fallen sie und machen dabei viel Lärm. Als die Frau mit Licht erscheint, flüchten die Heinzelmännchen und kehren nie wieder zurück. Dieses Ereignis markiert das Ende der magischen Hilfe und den Beginn harter Arbeit für die Menschen. Das Gedicht endet mit einer melancholischen Reflexion über die verlorene Zeit. Die Menschen müssen nun selbst für ihre Arbeit aufkommen und können sich nicht mehr auf die Heinzelmännchen verlassen. Die Zeilen drücken den Wunsch nach der Rückkehr dieser bequemen Zeit aus, aber auch die Erkenntnis, dass diese schöne Zeit nicht wiederkehren wird. Das Gedicht vermittelt eine Moral über die Wichtigkeit von Fleiß und Eigenverantwortung und erinnert daran, dass Bequemlichkeit oft vergänglich ist.

Schlüsselwörter

hin heinzelmännchen husch männlein erwacht gemacht fein legte

Wortwolke

Wortwolke zu Die Heinzelmännchen

Stilmittel

Alliteration
Wie war zu Köln es doch vordem
Anapher
Und rupften und zupften, und hüpften und trabten
Assonanz
Und rupften und zupften
Enjambement
Und rupften und zupften
Hyperbel
Und eh ein Faulpelz noch erwacht,... War all sein Tagewerk... bereits gemacht!
Metapher
Nahm Meißel und Beil und die Säg′ in Eil
Personifikation
Die Männlein sorgten um den Wein
Reim
Und rupften und zupften
Sinnlichkeit
Und rupften und zupften
Symbolik
Die Heinzelmännchen
Wortwiederholung
Und rupften und zupften