Die Heimkehr

Heinrich Heine

1817

Mein Herz, mein Herz ist traurig, doch lustig leuchtet der Mai; ich stehe, gelehnt an der Linde, hoch auf der alten Bastei.

Da drunten fließt der blaue Stadtgraben in stiller Ruh; ein Knabe fährt im Kahne, und angelt und pfeift dazu.

Jenseits erheben sich freundlich, in winziger, bunter Gestalt Lusthäuser, und Gärten, und Menschen, und Ochsen, und Wiesen, und Wald.

Die Mägde bleichen Wäsche, und springen im Gras herum: das Mühlrad stäubt Diamanten, ich höre sein fernes Gesumm.

Am alten grauen Turme ein Schilderhäuschen steht; ein rotgeröckter Bursche dort auf und nieder geht.

Er spielt mit seiner Flinte, die funkelt im Sonnenrot, er präsentiert und schultert - ich wollt, er schösse mich tot.

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Illustration zu Die Heimkehr

Interpretation

Das Gedicht "Die Heimkehr" von Heinrich Heine schildert die melancholische Rückkehr des lyrischen Ichs an einen Ort seiner Vergangenheit. Die Stimmung ist zwiespältig: Einerseits leuchtet der Mai lustig, andererseits ist das Herz des Sprechers traurig. Diese Ambivalenz spiegelt sich in der Szenerie wider, die sowohl idyllisch als auch von einer unterschwelligen Melancholie durchzogen ist. Das lyrische Ich betrachtet von einer erhöhten Position aus die Stadt und ihre Umgebung. Unten fließt der blaue Stadtgraben ruhig dahin, ein Junge fährt im Kahn und angelt, während er pfeift. Jenseits des Wassers erheben sich freundlich wirkende Lusthäuser, Gärten, Menschen, Ochsen, Wiesen und Wald in winziger, bunter Gestalt. Das Bild ist von einer harmonischen, fast märchenhaften Schönheit geprägt, die jedoch durch die Distanz und die winzige Gestaltung eine gewisse Unnahbarkeit erhält. Im dritten und vierten Abschnitt wird die Szenerie noch detaillierter beschrieben. Mägde bleichen Wäsche und springen im Gras herum, das Mühlrad stäubt Diamanten, und das ferne Gesumm ist zu hören. Am alten grauen Turm steht ein Schilderhäuschen, und ein rotgerockter Bursche geht auf und nieder, spielt mit seiner Flinte, die im Sonnenrot funkelt. Er präsentiert und schultert, und das lyrische Ich wünscht sich, er möge es tot schießen. Dieser letzte, verstörende Wunsch offenbart die tiefe Verzweiflung und den Schmerz des lyrischen Ichs, das sich in dieser scheinbar heilen Welt nicht mehr zugehörig fühlt und den Tod als Erlösung aus seiner inneren Zerrissenheit sieht.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Bildlichkeit
Da drunten fließt der blaue Stadtgraben in stiller Ruh
Hyperbel
ich wollt, er schösse mich tot
Kontrast
Mein Herz, mein Herz ist traurig, doch lustig leuchtet der Mai
Metapher
Das Mühlrad stäubt Diamanten
Onomatopoesie
ich höre sein fernes Gesumm
Parallelismus
und Gärten, und Menschen, und Ochsen, und Wiesen, und Wald
Personifikation
doch lustig leuchtet der Mai
Wiederholung
und springen im Gras herum