Die Heilige, Einzige, Göttliche
1885Wann werd’ ich dich finden, Ach endlich dich finden, Dich fiebernd in schauernder Seelenumarmung, Fühlen, ganz fühlen Du Heilige, Einzige, Göttliche? … Die du bist, weil ich bin, Mich willst, wie ich dich will … Die du mit einem Strahl deines Auges, Darin der Himmel glüht, All’ die Schmerzen des Einsamen Heimath- und Glückfernen Mitfühlend hinwegküssest, Mit einem Athemhauch deiner Seele, Darin ewiger Frühling blüht, All’ die Thränen auslöschst, All’ die brennende Qual, Die meine Seele verzehrt, Meine unsterbliche Seele … Wo bist du, du Sonne! Nur meine Sonne, Die du jede Wolke der Schwermuth Von gramtrüber Stirne Mir lächelnd hinwegscheuchst, Triumphirend verheißest Jeden Traum’s Erfüllung, Und himmlischer Tröstung Gottsüßen Frieden In den sehnenden Busen gießt, Mir, der ich arm bin, So arm bin, wie Niemand?! Wann erhebst du dein Haupt, Aus Nebel und Sturm Dein lichtmächtiges Haupt, Du Erkenntniß der Wahrheit Die ist und die sein wird? … Wann winkst du Oase, Du Mährcheninsel, Voll paradiesischer Auen, Dem Wüstenpilger, Der müde des Kampfes Des irdischen Kampfes Ohne Rettungsstern Hinsinkt, in das Nichts starrt? Wann reifst du entgegen Dem Labebedürftigen O Thaufrucht der Liebe?! Wann werd’ ich erwachen, Holdselig erwachen, Dir im Schooße erwachen, Du unendliche Wonne?! Wann werd’ ich Sie schauen In all’ ihrer Schönheit Liebreiz und Anmuth, Die aus dem Kelch jeder Blume Entgegen mir duftet, Und zu mir spricht Aus der Nachtigall Schluchzen, Dem Flüstern des Maiwinds, Jedem Machtwort der Schöpfung?! – – – – – – – – – – – – – – – – Mit dem Schrei der Erlösung Fliegt ihr entgegen Die verschmachtende Seele; Leib reißt sich an Leib … Es sättigen sich endlich Im Rausch der Verzückung Die taumelnden Sinne. Hinsterben die Pulse … In des Kusses wildlodernder Flamme vermählt sich Alle Süße des Lebens Des Lebens und Todes.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Heilige, Einzige, Göttliche" von Wilhelm Arent ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die ersehnte Vereinigung mit einer göttlichen Geliebten. Der lyrische Ich-Erzähler sehnt sich danach, diese Heilige, Einzige, Göttliche zu finden und in einer seelenvollen Umarmung zu fühlen. Die Geliebte wird als eine Quelle des Trostes und der Erlösung dargestellt, die die Schmerzen des einsamen und unglücklichen Erzählers mitfühlend hinwegküsst und seine brennende Qual mit einem Hauch ihrer Seele löscht. Die Geliebte wird als eine Sonne beschrieben, die die Wolken der Schwermut von der gramtrüber Stirne des Erzählers lächelnd hinwegscheucht und jeden Traum erfüllt. Sie ist ein Oase im Wüstenleben, ein Märcheninsel voller paradiesischer Auen, die dem müden Pilger, der ohne Rettungsstern im Kampf des Lebens untergeht, entgegenreift. Der Erzähler sehnt sich danach, in ihrem Schoß aufzuwachen und die unendliche Wonne zu erfahren. Im letzten Teil des Gedichts kulminiert die Sehnsucht in einem ekstatischen Höhepunkt. Mit dem Schrei der Erlösung fliegt die verschmachtende Seele der Geliebten entgegen. Die Körper verschmelzen in einem wild lodern Flammenmeer des Kusses, und alle Süße des Lebens und des Todes vermählt sich in der Verzückung. Das Gedicht endet mit einem Bild des Hingebens und der Auflösung in der Vereinigung mit der Göttlichen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- All' die Schmerzen des Einsamen
- Metapher
- Alle Süße des Lebens
- Personifikation
- Und zu mir spricht