Wann werd‘ ich dich finden,
Ach endlich dich finden,
Dich fiebernd in schauernder
Seelenumarmung,
Fühlen, ganz fühlen
Du Heilige, Einzige,
Göttliche? …
Die du bist, weil ich bin,
Mich willst, wie ich dich will …
Die du mit einem Strahl deines Auges,
Darin der Himmel glüht,
All‘ die Schmerzen des Einsamen
Heimath- und Glückfernen
Mitfühlend hinwegküssest,
Mit einem Athemhauch deiner Seele,
Darin ewiger Frühling blüht,
All‘ die Thränen auslöschst,
All‘ die brennende Qual,
Die meine Seele verzehrt,
Meine unsterbliche Seele …
Wo bist du, du Sonne!
Nur meine Sonne,
Die du jede Wolke der Schwermuth
Von gramtrüber Stirne
Mir lächelnd hinwegscheuchst,
Triumphirend verheißest
Jeden Traum’s Erfüllung,
Und himmlischer Tröstung
Gottsüßen Frieden
In den sehnenden Busen gießt,
Mir, der ich arm bin,
So arm bin, wie Niemand?!
Wann erhebst du dein Haupt,
Aus Nebel und Sturm
Dein lichtmächtiges Haupt,
Du Erkenntniß der Wahrheit
Die ist und die sein wird? …
Wann winkst du Oase,
Du Mährcheninsel,
Voll paradiesischer Auen,
Dem Wüstenpilger,
Der müde des Kampfes
Des irdischen Kampfes
Ohne Rettungsstern
Hinsinkt, in das Nichts starrt?
Wann reifst du entgegen
Dem Labebedürftigen
O Thaufrucht der Liebe?!
Wann werd‘ ich erwachen,
Holdselig erwachen,
Dir im Schooße erwachen,
Du unendliche Wonne?!
Wann werd‘ ich Sie schauen
In all‘ ihrer Schönheit
Liebreiz und Anmuth,
Die aus dem Kelch jeder Blume
Entgegen mir duftet,
Und zu mir spricht
Aus der Nachtigall Schluchzen,
Dem Flüstern des Maiwinds,
Jedem Machtwort der Schöpfung?!
– – – – – – – – – – – – – – – –
Mit dem Schrei der Erlösung
Fliegt ihr entgegen
Die verschmachtende Seele;
Leib reißt sich an Leib …
Es sättigen sich endlich
Im Rausch der Verzückung
Die taumelnden Sinne.
Hinsterben die Pulse …
In des Kusses wildlodernder
Flamme vermählt sich
Alle Süße des Lebens
Des Lebens und Todes.
Die Heilige, Einzige, Göttliche
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Die Heilige, Einzige, Göttliche“ von Wilhelm Arent ist eine leidenschaftliche Suche nach einer idealisierten, transzendenten Liebe, die durch Sehnsucht, Verzweiflung und letztendlich ekstatische Erfüllung gekennzeichnet ist. Das Gedicht ist in einer klagenden Tonart verfasst, der Leser wird mitgenommen auf eine emotionale Reise des lyrischen Ichs, das nach Trost, Erlösung und Vollkommenheit sucht.
In den ersten Strophen wird die quälende Ungewissheit der Suche nach der geliebten „Heiligen“ deutlich. Das lyrische Ich sehnt sich danach, die Geliebte endlich zu finden, zu fühlen und in einer „Seelenumarmung“ zu verschmelzen. Die Geliebte wird als idealisierte Figur beschrieben, die sowohl eine Quelle des Trostes als auch der Erleuchtung darstellt. Sie soll die Schmerzen und Tränen des lyrischen Ichs hinwegküssen und die „brennende Qual“ der Seele tilgen. Diese Sehnsucht ist so tief, dass das lyrische Ich sich nach der „Sonne“ sehnt, die ihm „jeden Traum erfüllt“ und „himmlischen Trost“ spendet.
Der Mittelteil des Gedichts wird von Fragen dominiert, in denen das lyrische Ich die Ankunft der Geliebten herbeisehnt. Es fragt nach dem Zeitpunkt, wann die Geliebte als „Erkenntnis der Wahrheit“ erscheinen wird, wann sie als „Oase“ des Trostes dem „Wüstenpilger“ entgegenkommt. Die Metaphern von „Nebel und Sturm“, „Wüste“ und „Kampf“ unterstreichen die Schwierigkeiten und die Isolation des lyrischen Ichs in seiner Suche nach der Geliebten. Die Wiederholung des „Wann“ verstärkt die ungeduldige Sehnsucht und die Hoffnung auf Erlösung.
Im letzten Teil des Gedichts scheint die Sehnsucht endlich ihren Höhepunkt zu erreichen. Das lyrische Ich erwartet die Begegnung mit der Geliebten in einer ekstatischen Vision. Die Sprache wird intensiver und sinnlicher, die Verschmelzung von Seele und Leib, die „wildlodernde Flamme“ des Kusses, die „taumelnden Sinne“ und die Auflösung in „alle Süße des Lebens“ und „des Todes“ deuten auf einen Zustand höchster Verzückung und Vereinigung hin. Die Erlösung scheint durch die Vereinigung mit der Geliebten gefunden zu sein.
Insgesamt ist das Gedicht eine romantische Ode an die Sehnsucht nach einer idealisierten Liebe, nach Vollkommenheit und Erlösung. Es spiegelt die Suche nach einem Sinn im Leben wider, nach Trost und Befreiung von Schmerz und Leid. Die Intensität der Sprache, die Metaphern und die emotionalen Bilder erzeugen eine kraftvolle Atmosphäre, die den Leser in die Tiefen der menschlichen Sehnsucht und Hoffnung eintauchen lässt. Das Gedicht gipfelt in einem Moment der Ekstase, der sowohl die Erfüllung der Sehnsucht als auch die Vereinigung von Leben und Tod andeutet.
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