Die Heide
1790Währt ewig denn die lange Heide, Liegt sie denn niemals hinter mir, Wohl ziehen Heerden auf der Weide, Doch keine Menschen seh’ ich hier.
Der Hirt nur liegt hier ausgestreckt, Und senkrecht brennt der Sonne Licht Ihm auf das Haupt, das unbedecket; – Er aber schläft und fühlt es nicht! –
Soll ich ihn neiden, ihn beklagen, Dem, wenn die Zeit vorüberstreift, Sie nichts gebracht, nichts fortgetragen, Dem auswärts nie ein Wunsch geschweift?
Soll ich beklagen ihn, beneiden, Der noch kein Herzweh je gekannt, Des Thieres Lust und seine Leiden, Und sein Bedürfniß nur empfand?
Der nicht die Gegend noch ergründet Im Innern, wo die Seele thront, Der mit der Heerde lebt, empfindet, Und mit ihr weidet, mit ihr wohnt? –
Armselig Loos, das ihm beschieden: Dieß wär’ ein Ziel, des Strebens werth? Werth, daß der Mensch nach solchem Frieden Die ganze Gluth der Seele kehrt? –
Doch ist’s dieß Glück, das Eure Weisen, Die Ihr im Staate hoch gestellt, Als dieses Lebens Blüthe preisen! Dieß Glück vergönnen sie der Welt!
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Interpretation
Das Gedicht "Die Heide" von Joseph Christian von Zedlitz handelt von einem Hirten, der auf der Heide schläft, während die Sonne auf sein unbedecktes Haupt brennt. Der Sprecher betrachtet den Hirten und fragt sich, ob er ihn neiden oder beklagen soll. Er überlegt, ob der Hirte ein einfaches und sorgloses Leben führt, das frei von Herzschmerz und Begierden ist. Der Sprecher stellt die Frage, ob es ein erstrebenswertes Ziel ist, ein solches Leben zu führen, in dem man nur die Bedürfnisse und Freuden der Tiere kennt und keine tieferen Gefühle oder Sehnsüchte hat. Der Sprecher reflektiert über die Vorstellung, dass der Hirte nur ein armseliges Los hat, da er keine tieferen Erfahrungen oder Gefühle kennt. Er fragt sich, ob es den Aufwand wert ist, nach einem solchen Frieden zu streben und die ganze Leidenschaft der Seele aufzugeben. Der Sprecher stellt fest, dass die Weisen und Mächtigen in der Gesellschaft dieses Leben als die Blüte des Lebens preisen und der Welt ein solches Glück gönnen. Das Gedicht wirft Fragen über den Wert eines einfachen und sorglosen Lebens auf und kontrastiert es mit einem Leben voller Leidenschaft und tiefer Gefühle. Es stellt die Frage, ob es erstrebenswert ist, ein Leben ohne Herzschmerz und Begierden zu führen, oder ob es wichtiger ist, die Tiefe und Intensität des menschlichen Erlebens zu erfahren. Das Gedicht lädt den Leser dazu ein, über die Bedeutung von Glück, Zufriedenheit und Erfüllung nachzudenken und die verschiedenen Wege zu betrachten, wie man ein erfülltes Leben führen kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildlichkeit
- Und senkrecht brennt der Sonne Licht ihm auf das Haupt
- Hyperbel
- Die ganze Gluth der Seele kehrt
- Ironie
- Doch ist's dieß Glück, das Eure Weisen, Die Ihr im Staate hoch gestellt, Als dieses Lebens Blüthe preisen!
- Kontrast
- Der nicht die Gegend noch ergründet im Innern, wo die Seele thront
- Metapher
- Währt ewig denn die lange Heide
- Personifikation
- Doch keine Menschen seh' ich hier
- Rhetorische Frage
- Soll ich ihn neiden, ihn beklagen