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Die Haushaltung

Von

Zankst du schon wieder? sprach Hans Lau
Zu seiner lieben Ehefrau.
»Versoffner, unverschämter Mann« – – –
Geduld, mein Kind, ich zieh′ mich an – –
»Wo nun schon wieder hin?«
Zu Weine. Zank′ du alleine.

»Du gehst? – – Verdammtes Kaffeehaus!
Ja! blieb′ er nur die Nacht nicht aus.
Gott! ich soll so verlassen sein? –
Wer pocht? – – Herr Nachbar? – – nur herein!
Mein böser Teufel ist zu Weine:
Wir sind alleine.«

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Gedicht: Die Haushaltung von Gotthold Ephraim Lessing

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Die Haushaltung“ von Gotthold Ephraim Lessing zeichnet ein humorvolles, doch zugleich entlarvendes Bild von ehelichen Querelen und deren Auswirkungen auf die Beziehung zwischen Hans Lau und seiner Frau. Die kurze, pointierte Form des Gedichts fängt die Essenz eines Streits ein, der sich in der Routine des Alltags wiederholt. Der Dialog beginnt mit einem Streit, der durch die direkte Ansprache der Frau an ihren Mann, „Zankst du schon wieder?“, sofort die angespannte Atmosphäre offenbart.

Die Frau reagiert auf Hans‘ Absicht, aus dem Haus zu gehen, mit Vorwürfen und Verzweiflung. Ihre Reaktion zeigt ein Gefühl der Einsamkeit und der Vernachlässigung, welches sie durch das Trinken ihres Mannes ausgelöst sieht. Die verwendeten Ausrufe und Flüche, wie „Versoffner, unverschämter Mann“ und „Verdammtes Kaffeehaus!“, zeugen von Wut und Enttäuschung. Diese Gefühle werden durch das Weggehen von Hans, offensichtlich in ein Kaffeehaus, noch verstärkt, was die Frau in eine scheinbar hilflose Position versetzt.

Das Gedicht endet mit einem überraschenden und bitteren Moment der Ironie. Als die Frau allein ist, klopft der Nachbar an die Tür. Die Bemerkung „Mein böser Teufel ist zu Weine: / Wir sind alleine“ ist ein erschreckendes Eingeständnis. Es deutet an, dass die Frau sich nicht nur von ihrem Mann verlassen fühlt, sondern auch bereit ist, Trost oder Ablenkung außerhalb der Ehe zu suchen. Dies deutet auf eine tiefere Unzufriedenheit und die mögliche Destabilisierung der Beziehung hin.

Lessing nutzt die knappe Form und die alltägliche Sprache, um ein eindringliches Bild der ehelichen Unzufriedenheit und des möglichen moralischen Verfalls zu zeichnen. Das Gedicht dient als eine Art Miniatur-Drama, das die Komplexität menschlicher Beziehungen und die Gefahren von Streitigkeiten, Vernachlässigung und Versuchung aufzeigt. Die Ironie am Ende unterstreicht die Tragikomik des menschlichen Zustands und die oft paradoxen Dynamiken, die zwischen Menschen entstehen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.