Die Grenadiere

Heinrich Heine

1821

Nach Frankreich zogen zwei Grenadier’, Die waren in Rußland gefangen. Und als sie kamen ins deutsche Quartier, Sie ließen die Köpfe hangen.

Da hörten sie beide die traurige Mär: Daß Frankreich verlorengegangen, Besiegt und zerschlagen das große Heer - Und der Kaiser, der Kaiser gefangen.

Da weinten zusammen die Grenadier' Wohl ob der kläglichen Kunde. Der eine sprach: “Wie weh wird mir, Wie brennt meine alte Wunde!”

Der andre sprach: “Das Lied ist aus, Auch ich möcht mit dir sterben, Doch hab ich Weib und Kind zu Haus, Die ohne mich verderben.”

“Was schert mich Weib, was schert mich Kind, Ich trage weit beßres Verlangen; Laß sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind - Mein Kaiser, mein Kaiser gefangen!

Gewähr mir, Bruder, eine Bitt’: Wenn ich jetzt sterben werde, So nimm meine Leiche nach Frankreich mit, Begrab mich in Frankreichs Erde.

Das Ehrenkreuz am roten Band Sollst du aufs Herz mir legen; Die Flinte gib mir in die Hand, Und gürt mir um den Degen.

So will ich liegen und horchen still, Wie eine Schildwach’, im Grabe, Bis einst ich höre Kanonengebrüll Und wiehernder Rosse Getrabe.

Dann reitet mein Kaiser wohl über mein Grab, Viel Schwerter klirren und blitzen; Dann steig ich gewaffnet hervor aus dem Grab - Den Kaiser, den Kaiser zu schützen!”

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Illustration zu Die Grenadiere

Interpretation

Das Gedicht "Die Grenadiere" von Heinrich Heine erzählt die Geschichte von zwei französischen Soldaten, die nach Russland gefangen genommen wurden und nun im deutschen Quartier von der Niederlage Napoleons und seiner Gefangennahme erfahren. Die beiden Grenadiere sind tief erschüttert von dieser Nachricht, da sie eine starke Verbundenheit zu ihrem Kaiser empfinden. Der eine Grenadier, der keine Familie hat, ist bereit, für seinen Kaiser zu sterben und bittet seinen Kameraden, seine Leiche nach Frankreich zu überführen und ihn dort ehrenvoll zu bestatten. Er wünscht sich, mit dem Ehrenkreuz geschmückt und mit Flinte und Degen bewaffnet in Frankreichs Erde zu ruhen, bis er einst das Signal zum erneuten Kampf hört. Der andere Grenadier hingegen hat Frau und Kind, die auf ihn angewiesen sind, und kann daher nicht einfach sein Leben aufs Spiel setzen. Das Gedicht thematisiert die blinde Ergebenheit und den unbedingten Glauben an Napoleon, den die Soldaten empfinden. Sie sind bereit, ihr Leben für ihn zu opfern und ihn sogar aus dem Grab heraus zu beschützen. Heine kritisiert hier die Verherrlichung des Kaisers und die Manipulation der Soldaten durch nationalistische Ideale. Die patriotische Gesinnung wird als irrational und selbstzerstörerisch dargestellt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Der eine sprach: "Wie weh wird mir, Wie brennt meine alte Wunde!"
Kontrast
Der eine sprach: "Wie weh wird mir, Wie brennt meine alte Wunde!" Der andre sprach: "Das Lied ist aus, Auch ich möcht mit dir sterben, Doch hab ich Weib und Kind zu Haus, Die ohne mich verderben."
Metapher
Auch ich möcht mit dir sterben
Personifikation
Viel Schwerter klirren und blitzen
Wiederholung
Den Kaiser, den Kaiser zu schützen!