Die Grabrose
1876Du Grabesrose wurzelst wohl In ihres Herzens Schooß, Und ihres ew′gen Schlafes Hauch Zog deine Keime groß.
Du saugest Gluth und Lebenskraft Aus ihres Herzens Blut, Sie gab ja Freude stets und Lust Und gibt′s noch, wenn sie ruht.
Dein Lächeln und dein Duften stahlst Und schlürftest du aus ihr, Den rothen Kelch, den formtest du Aus ihren Wangen dir;
Die Purpurblätter sogest du Aus ihrem süßen Mund, Drum sind sie auch so roth und lind, So duftig und so rund.
Sie gab dir Blätter, Farb′ und Duft, Gab Gluth und Leben dir, Woher doch nahmst die Dornen du? Die kommen nicht von ihr! –
Willkommen denn und bleibe mein! Wenn Haß und Nacht mir droht, Erinn′re mich dein Flammenkelch An Lieb′ und Morgenroth.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Die Grabrose" von Anastasius Grün erzählt von einer Rose, die auf dem Grab einer geliebten Frau wächst. Die Rose wird als Symbol für die ewige Liebe und Erinnerung an die Verstorbene dargestellt. Der Sprecher beschreibt, wie die Rose ihre Schönheit und ihren Duft von der Toten erhalten hat und wie sie nun als lebendiges Denkmal für die Verstorbene dient. In den ersten beiden Strophen wird die Rose als aus dem Herzen der Toten entsprungen beschrieben, die ihr Leben und ihre Lebenskraft an die Blume weitergibt. Die Rose wird als Lächeln und Duft der Verstorbenen personifiziert und symbolisiert ihre ewige Schönheit und Anmut. Die folgenden Strophen beschreiben, wie die Rose ihre Farbe, Form und ihren Duft von der Toten erhalten hat. Die Blätter der Rose sollen von den Wangen der Verstorbenen stammen, während die Purpurblätter aus ihrem süßen Mund gezogen wurden. Die Rose wird als Spiegelbild der Schönheit und Anmut der Toten dargestellt. Im letzten Vers der letzten Strophe fragt der Sprecher, woher die Dornen der Rose kommen, da sie nicht von der Toten stammen können. Dies könnte als Hinweis darauf interpretiert werden, dass auch die Liebe Schmerz und Leid mit sich bringen kann. Der Sprecher begrüßt die Rose jedoch als willkommenen Gast und bittet sie, bei ihm zu bleiben. Die Rose soll ihn an die Liebe und das Morgenrot erinnern, wenn Hass und Nacht ihn bedrohen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Lieb' und Morgenroth
- Anapher
- Gab
- Enjambement
- Willkommen denn und bleibe mein! Wenn Haß und Nacht mir droht
- Metapher
- Morgenroth
- Personifikation
- Du Grabesrose wurzelst wohl