Die Gottheit
1770Als einst dem Chaos werdender Gestalten, Sich auch der Mann mit stolzer Form entzogen, Der Gottheit Bilder noch auf heil’gen Wogen, Mit reinen Strahlen in dem Reinen wallten.
Da fühlt er schnell die heil’ge Glut erkalten, Das Bild der Göttlichkeit ist ihm entflogen; Zum Tier fühlt er sich schnell herabgezogen, Und ringt mit ihm um herrschende Gewalten.
Bald ward das Weib - es führt der Seraph Liebe, Sie dem Gesunknen zu - und sanfte Triebe Umschlingen ihn mit himmlischem Gefieder.
Als liebend er der Liebe sich ergeben, Sieht er die Schönheit jeder Form entschweben; Und nur in ihr find’t er die Gottheit wieder!
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Interpretation
Das Gedicht "Die Gottheit" von Sophie Friederike Brentano behandelt den Weg des Menschen zur Erkenntnis der göttlichen Schönheit. Anfangs, in einer chaotischen Zeit, erscheint dem Mann ein göttliches Bild, das auf reinen Wellen wandelt. Doch dieses heilige Bild verblasst schnell, und der Mensch fühlt sich zum Tier herabgezogen, kämpfend um Macht und Herrschaft. Die Ankunft der Frau, geleitet von der Liebe des Seraphs, bringt eine Wendung. Sanfte Triebe umgeben den Mann mit himmlischem Gefieder und führen ihn zu einer tieferen Erkenntnis. Die Liebe wird zum Schlüssel, der den Menschen wieder zur Gottheit führt. Am Ende des Gedichts findet der Mensch die göttliche Schönheit nicht mehr in abstrakten Formen, sondern in der Liebe selbst. Nur durch die Liebe kann er die Gottheit wiederentdecken und erleben. Das Gedicht betont somit die transformative Kraft der Liebe, die den Menschen von seiner tierischen Natur erlöst und zur göttlichen Erkenntnis führt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Umschlingen ihn mit himmlischem Gefieder
- Kontrast
- Als liebend er der Liebe sich ergeben
- Metapher
- Sieht er die Schönheit jeder Form entschweben
- Personifikation
- Bald ward das Weib - es führt der Seraph Liebe
- Symbolik
- Und nur in ihr find't er die Gottheit wieder