Die Gleichheit
1624Ich weiß nicht, was ich soll; es ist mir alles ein: Ort, Unort, Ewigkeit, Zeit, Nacht, Tag, Freud und Pein.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Gleichheit" von Angelus Silesius handelt von der Auflösung aller Unterschiede in einer höheren Einheit. Der Sprecher drückt seine Verwirrung und Ratlosigkeit aus, indem er sagt, dass er nicht weiß, was er tun soll, da ihm alles gleich erscheint. Diese Gleichheit erstreckt sich auf verschiedene Gegensätze wie Ort und Unort, Ewigkeit und Zeit, Nacht und Tag sowie Freud und Pein. Die Aufzählung dieser Gegensätze deutet darauf hin, dass der Sprecher eine transzendente Erfahrung gemacht hat, in der die gewohnten Kategorien und Unterscheidungen aufgehoben sind. Dies kann als Ausdruck mystischer Erkenntnis verstanden werden, bei der der Einzelne die Einheit aller Dinge erkennt und die Dualität der Welt überwindet. Die Gleichheit aller Dinge führt zu einer Art Gleichgültigkeit oder Gleichmut, da keine Unterscheidung mehr möglich ist. Die Kürze und die einfache Struktur des Gedichts unterstreichen die Tiefe seiner Aussage. Durch die Aufzählung der Gegensätze ohne weitere Erläuterung wird der Leser selbst dazu angeregt, über die Natur der Wirklichkeit und die Möglichkeit einer Einheit jenseits aller Unterschiede nachzudenken. Das Gedicht lädt somit zur Kontemplation über die Grenzen des menschlichen Verstehens und die Möglichkeit einer höheren, alles umfassenden Wahrheit ein.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Anapher
- Ich weiß nicht, was ich soll; es ist mir alles ein:
- Gleichsetzung
- Ort, Unort, Ewigkeit, Zeit, Nacht, Tag, Freud und Pein