Die Gewißheit

Gotthold Ephraim Lessing

1729

Ob ich morgen leben werde, Weiß ich freilich nicht: Aber, wenn ich morgen lebe, Daß ich morgen trinken werde, Weiß ich ganz gewiß.

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Interpretation

Das Gedicht "Die Gewißheit" von Gotthold Ephraim Lessing beschäftigt sich mit der Ungewissheit des Lebens und der Gewissheit von Gewohnheiten. Der Sprecher reflektiert über die Unvorhersehbarkeit des nächsten Tages, indem er die Frage aufwirft, ob er überhaupt noch leben wird. Diese Unsicherheit wird durch die Gewissheit kontrastiert, dass er, falls er am Leben bleibt, am nächsten Tag trinken wird. Diese Gewissheit steht im Zentrum des Gedichts und verdeutlicht, wie bestimmte Verhaltensweisen oder Gewohnheiten im Leben als unveränderlich und verlässlich wahrgenommen werden. Das Gedicht verdeutlicht den menschlichen Wunsch nach Kontrolle und Vorhersehbarkeit in einer unsicheren Welt. Während das Leben selbst voller Ungewissheiten steckt, bieten bestimmte Routinen oder Gewohnheiten ein Gefühl von Stabilität und Normalität. Das Trinken, das im Gedicht erwähnt wird, könnte als Metapher für alltägliche Aktivitäten oder Rituale stehen, die den Menschen Trost und Struktur geben. Lessing nutzt diese Gegenüberstellung, um die menschliche Natur und das Bedürfnis nach Beständigkeit zu beleuchten. Durch die prägnante und klare Sprache vermittelt Lessing eine tiefgründige Botschaft über das Leben und die menschliche Psyche. Das Gedicht lädt den Leser dazu ein, über die eigenen Gewissheiten und Unsicherheiten nachzudenken. Es zeigt, dass trotz der Unberechenbarkeit des Lebens bestimmte Aspekte als feste Bestandteile unseres Daseins bestehen bleiben, die uns Halt und Sicherheit geben. In diesem Sinne ist "Die Gewißheit" eine Reflexion über die Balance zwischen Ungewissheit und Gewissheit im menschlichen Leben.

Schlüsselwörter

morgen werde weiß leben freilich lebe trinken ganz

Wortwolke

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Stilmittel

Antithese
Ob ich morgen leben werde, / Weiß ich freilich nicht: / Aber, wenn ich morgen lebe, / Daß ich morgen trinken werde, / Weiß ich ganz gewiß.
Kontrast
Ob ich morgen leben werde, / Weiß ich freilich nicht: / Aber, wenn ich morgen lebe, / Daß ich morgen trinken werde, / Weiß ich ganz gewiß.
Rhetorische Frage
Ob ich morgen leben werde