Die Geschichte von den schwarzen Buben
1846Es ging spazieren vor dem Tor ein kohlpechrabenschwarzer Mohr. Die Sonne schien ihm auf’s Gehirn, da nahm er seinen Sonnenschirm. Da kam der Ludwig hergerannt und trug sein Fähnchen in der Hand. Der Kaspar kam mit schnellem Schritt und brachte seine Brezel mit. Und auch der Wilhelm war nicht steif und brachte seinen runden Reif. Die schrien und lachten alle drei, als dort das Mohrchen ging vorbei, weil es so schwarz wie Tinte sei!
Da kam der große Nikolas mit seinem großen Tintenfaß. Der sprach: »Ihr Kinder, hört mir zu und laßt den Mohren hübsch in Ruh! Was kann denn dieser Mohr dafür, daß er so weiß nicht ist wie ihr?« Die Buben aber folgten nicht und lachten ihm ins Angesicht. Und lachten ärger als zuvor über den armen schwarzen Mohr.
Der Niklas wurde bös und wild, du siehst es hier auf diesem Bild! Er packte gleich die Buben fest, beim Arm, beim Kopf, bei Rock und West, den Wilhelm und den Ludewig, den Kaspar auch, der wehrte sich. Er tunkt sie in die Tinte tief, wie auch der Kaspar »Feuer« rief. Bis übern Kopf ins Tintenfaß tunkt sie der große Nikolas.
Du siehst sie hier, wie schwarz sie sind, viel schwärzer als das Mohrenkind. Der Mohr voraus im Sonnenschein, die Tintenbuben hinterdrein; und hätten sie nicht so gelacht, hätt Niklas sie nicht schwarz gemacht.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Geschichte von den schwarzen Buben" von Heinrich Hoffmann erzählt eine moralische Geschichte über Vorurteile und die Konsequenzen von Mobbing. Es beginnt mit einer friedlichen Szene, in der ein schwarzer Mohr spazieren geht und von drei Jungen belästigt wird, die sich über seine Hautfarbe lustig machen. Die Jungen werden als ignorant und grausam dargestellt, während der Mohr als unschuldiges Opfer ihrer Vorurteile erscheint. Nikolas, ein weiterer Junge, tritt als moralische Instanz auf und versucht, die anderen drei zur Vernunft zu bringen. Er argumentiert, dass der Mohr nichts für seine Hautfarbe kann und dass sie ihn in Ruhe lassen sollten. Die drei Jungen ignorieren jedoch seine Worte und setzen ihr Spott fort, was ihre Intoleranz und mangelnde Empathie verdeutlicht. Als Reaktion auf das ungebührliche Verhalten der drei Jungen taucht Nikolas sie in einen Eimer mit Tinte, wodurch sie selbst schwarz werden. Dies dient als symbolische Bestrafung und als Lehre für die Jungen, die nun selbst erfahren müssen, wie es sich anfühlt, aufgrund ihres Aussehens diskriminiert zu werden. Das Gedicht endet mit der ironischen Feststellung, dass die Jungen nun sogar noch schwärzer sind als der Mohr, den sie zuvor verspottet haben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Die schrien und lachten alle drei, als dort das Mohrchen ging vorbei, weil es so schwarz wie Tinte sei!
- Direkte Rede
- Der sprach: »Ihr Kinder, hört mir zu und laßt den Mohren hübsch in Ruh! Was kann denn dieser Mohr dafür, daß er so weiß nicht ist wie ihr?«
- Ironie
- Der Niklas wurde bös und wild, du siehst es hier auf diesem Bild!
- Metapher
- Es ging spazieren vor dem Tor ein kohlpechrabenschwarzer Mohr.
- Vergleich
- weil es so schwarz wie Tinte sei!