Die Geschichte vom Hanns Guck-in-die-Luft
1845Wenn der Hanns zur Schule ging, stets sein Blick am Himmel hing. Nach den Dächern, Wolken, Schwalben schaut er aufwärts allenthalben. Vor die eignen Füße dicht, ja, da sah der Bursche nicht, also daß ein jeder ruft: »Seht den Hanns Guck-in-die-Luft!« Kam ein Hund dahergerannt; Hännslein blickte unverwandt in die Luft. Niemand ruft: »Hanns! Gib acht, der Hund ist nah!« Was geschah? Bauz! Perdauz! — da liegen zwei, Hund und Hännschen nebenbei.
Einst ging er an Ufers Rand mit der Mappe in der Hand. Nach dem blauen Himmel hoch sah er, wo die Schwalbe flog, also daß er kerzengrad immer mehr zum Flusse trat. Und die Fischlein in der Reih sind erstaunt sehr, alle drei. Noch ein Schritt! Und plumps! der Hanns stürzt hinab kopfüber ganz! — Die drei Fischlein, sehr erschreckt, haben sich sogleich versteckt.
Doch zum Glück da kommen zwei Männer aus der Näh herbei, und die haben ihn mit Stangen aus dem Wasser aufgefangen. Seht! Nun steht er triefend naß! Ei, das ist ein schlechter Spaß! Wasser läft dem armen Wicht aus den Haaren ins Gesicht, aus den Kleidern, von den Armen, und es friert ihn zum Erbarmen. Doch die Fischlein alle drei, schwimmen hurtig gleich herbei; streckens Köpflein aus der Flut, lachen, daß man’s hören tut, lachen fort noch lange Zeit. Und die Mappe schwimmt schon weit.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Geschichte vom Hanns Guck-in-die-Luft" von Heinrich Hoffmann erzählt die Geschichte eines Jungen namens Hanns, der ständig in den Himmel blickt und dabei seine Umgebung vernachlässigt. Der erste Teil des Gedichts beschreibt, wie Hanns auf dem Weg zur Schule immer nach oben schaut und dabei seine unmittelbare Umgebung nicht wahrnimmt. Dies führt dazu, dass er von anderen als "Hanns Guck-in-die-Luft" bezeichnet wird. Seine Unaufmerksamkeit hat zur Folge, dass er von einem Hund angerempelt wird und beide zu Boden fallen. Im zweiten Teil des Gedichts geht Hanns an einem Flussufer entlang und blickt weiterhin in den Himmel. Dabei tritt er immer näher an das Wasser heran, bis er schließlich hineinfällt. Glücklicherweise werden zwei Männer auf ihn aufmerksam und retten ihn mit Stangen aus dem Wasser. Hanns steht triefend nass da und fröstelt. Die drei Fische, die er beim Fallen erschreckt hat, schwimmen herbei und lachen über ihn. Seine Mappe treibt bereits weit weg im Fluss. Das Gedicht vermittelt eine moralische Lektion über die Gefahren der Unaufmerksamkeit und des ständigen Tagträumens. Hanns' ständiges Hinschauen in den Himmel führt zu unangenehmen und sogar gefährlichen Situationen. Die Geschichte endet mit einer humorvollen Note, da die Fische über Hanns lachen und seine Mappe im Fluss treibt. Insgesamt warnt das Gedicht davor, sich zu sehr in Tagträume zu verlieren und die Realität aus den Augen zu verlieren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Bauz! Perdauz!
- Hyperbel
- Es friert ihn zum Erbarmen
- Kontrast
- Die drei Fischlein, sehr erschreckt, haben sich sogleich versteckt. Doch zum Glück da kommen zwei Männer aus der Näh herbei
- Onomatopoesie
- Bauz! Perdauz!
- Personifikation
- Die Fischlein lachen und strecken ihre Köpflein aus der Flut
- Wiederholung
- Hanns Guck-in-die-Luft