Die geheime Rose.

Angelus Silesius

1624

Die Ros‘ ist meine Seel / der Dorn des Fleischeslust / Der Frühling Gottes Gunst / sein Zorn ist Kält und Frost: Ihr Blühn ist gutes tun / den Dorn ihr Fleisch nicht achten / Mit Tugenden sich ziern / und nach dem Himmel trachten: Nimmt sie die Zeit wohl wahr / und blüht weils Frühling ist / So wird sie ewiglich für Gottes Ros‘ erkiest.

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Illustration zu Die geheime Rose.

Interpretation

Das Gedicht "Die geheime Rose" von Angelus Silesius ist eine metaphorische Darstellung der menschlichen Seele und ihrer Beziehung zu Gott. Die Rose symbolisiert die Seele, während der Dorn den Fleischeslust darstellt. Der Frühling Gottes Gunst und sein Zorn als Kälte und Frost verdeutlichen die wechselnden Zustände der göttlichen Gnade und Bestrafung. Die Seele, repräsentiert durch die Rose, soll sich durch gute Taten entfalten und den Dorn, also die Fleischeslust, nicht beachten. Sie soll sich mit Tugenden schmücken und nach dem Himmel streben. Die Zeit spielt eine entscheidende Rolle, denn die Rose muss den richtigen Zeitpunkt erkennen und im Frühling blühen, um für Gott als auserwählte Rose zu gelten. Das Gedicht vermittelt eine christliche Botschaft über die Bedeutung von Glauben, Tugend und der Beachtung des göttlichen Willens. Es ermutigt den Menschen, sich auf das Spirituelle zu konzentrieren und die weltlichen Begierden zu überwinden, um ewige Seligkeit zu erlangen. Die Rose als Metapher für die Seele unterstreicht die Schönheit und Zerbrechlichkeit des menschlichen Geistes auf seiner Suche nach Gott.

Schlüsselwörter

dorn frühling gottes seel fleischeslust gunst zorn kält

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Stilmittel

Metapher
So wird sie ewiglich für Gottes Ros‘ erkiest
Personifikation
Der Dorn des Fleischeslust