Die Geburt des Genies

Max Dauthendey

1867

In Felsen kauert die Seele. Sie lauscht ihrem Atem, Und atmet ihre Gedanken. Aber die Ruhe allein gibt ihr nicht die Kraft, Sie saugt ihre Kraft aus der Erschöpfung, Aus dem Vertönen erschlaffender Kräfte.

Das Meer wälzt seine Berge um die Stille, Und ihre Einsamkeit umbrüllen die Wellen, Über die Felsen fliegt gieriger Schaum, Er netzt nicht, - er zerspringt in Luft - Kein Hauch berühret die Seele. Und dann, ein Tag! Ein Jahr! Ein Jahrhundert!

Kein Zeitraum, der den Triumph einer Sekunde umfassend erschöpfe,

Die Felsen wanken, bersten, zerkrachen. Das Echo sprengt splitternd die Lüfte, Spaltet die Ruhe, schleudert Berge empor, Und schroff auf, wild im Flammensprung, Im begeisterten Arme die Fackel, Gebärt das Genie sich dem Lichte!

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Illustration zu Die Geburt des Genies

Interpretation

Das Gedicht "Die Geburt des Genies" von Max Dauthendey beschreibt den Prozess der Entstehung eines Genies. Die Seele des Genies kauert in den Felsen und lauscht ihrem Atem, atmet ihre Gedanken. Die Ruhe allein gibt ihr nicht die Kraft, sondern sie saugt ihre Kraft aus der Erschöpfung und dem Vertönen erschlaffender Kräfte. Das Meer um die Stille herum wälzt seine Berge und die Einsamkeit wird von den Wellen umbrüllt. Gieriger Schaum fliegt über die Felsen, aber er netzt nicht und zerspringt in Luft. Kein Hauch berührt die Seele. Es vergeht kein Zeitraum, der den Triumph einer Sekunde umfassend erschöpfen könnte. Schließlich wanken, bersten und zerkrachen die Felsen. Das Echo sprengt splitternd die Lüfte, spaltet die Ruhe und schleudert Berge empor. Im begeisterten Arm hält das Genie die Fackel und gebiert sich dem Lichte.

Schlüsselwörter

felsen seele ruhe kraft berge kein kauert lauscht

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Stilmittel

Hyperbel
Ein Tag! Ein Jahr! Ein Jahrhundert!
Metapher
Gebiert das Genie sich dem Lichte
Personifikation
Das Echo sprengt splitternd die Lüfte