Die Frühlingsfähren

Oskar Loerke

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Die Mühle zielt mit ihrem Flügel Nach einem fernen Haselbusch, Der Maulwurf gräbt und wirft den Hügel, Als baue er den Hindukusch. Und aller Bauern Güter gären, Und alle Gärten kochen Seim, Und rings gehn unsichtbare Fähren In süßen Kurven nach Nirgendheim.

Im Walde springt es wie von Riegeln, Da quillt das rote Harz vom Kien Und hockt in Buckeln, Blasen, Spiegeln An Stämmen, die gen Himmel ziehn. Im Walde haust ein wildes Schwären, Das rauscht bei Nacht wie offner Most, Jetzt fahren unsichtbare Fähren: Steig ein nach Süd! Komm mit nach Ost!

Wie Handwerksburschenträume tanzen Die Wolken, seelenvoll besonnt, Als berstend dickgefüllte Ranzen Von Horizont zu Horizont. Die Himmel werden weit und gären Wie neuer Welten Sauerteig. Hoch steigen unsichtbare Fähren Entgegen jedem Zukunftsreich.

Die blaue Luft hat lauter Türen, Und blaue Türen sind die Seen In unsre Erde: sie verführen Verliebte Menschen, einzugehn. Und immer höher gehn die Fähren. Mit Kraut verwächst, ein schlecht Idol, Die Erde, doch von selgen Heeren Schallts auf sie nieder: Fahrewohl!

Die Ströme ziehn wie blanke Seile, Vor die ein Sturmpferd sich gespannt. Und schleppen sie noch eine Weile, So werfen sie ins Meer ihr Land. Fast jeder keucht nach andern Meeren, Die Wolga, der Guadalquivir. Lass fahren hin, denn Himmelsfähren, Gehn, Bruder, über dir und mir.

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Illustration zu Die Frühlingsfähren

Interpretation

Das Gedicht "Die Frühlingsfähren" von Oskar Loerke beschreibt den Frühling als eine Zeit des Aufbruchs und der Bewegung, in der alles in einem Zustand des Wachstums und der Veränderung zu sein scheint. Der Dichter verwendet das Bild der "Fähren", um die unsichtbaren Kräfte und Energien zu symbolisieren, die die Natur und das Leben im Frühling vorantreiben. Diese Fähren sind wie Boten des Frühlings, die in "süßen Kurven nach Nirgendheim" ziehen und die Menschen einladen, mit ihnen zu reisen und die Welt zu erkunden. In den einzelnen Strophen des Gedichts werden verschiedene Aspekte des Frühlings und seiner Auswirkungen auf die Natur und die Menschen dargestellt. Die Mühle mit ihrem Flügel, der Maulwurf mit seinem Hügelbau und die gärenden Güter und Gärten symbolisieren die Aktivität und das Wachstum, das im Frühling stattfindet. Der Wald mit seinem springenden Harz und dem "wilden Schwären" steht für die wilde und ungezähmte Seite der Natur, die im Frühling zum Leben erwacht. Das Gedicht endet mit der Aufforderung, die Fähren fahren zu lassen und sich von ihnen tragen zu lassen, denn sie führen über den Himmel und die Erde hinaus in unbekannte und unerreichbare Reiche. Die Fähren symbolisieren hier die Sehnsucht nach Freiheit, Abenteuer und dem Unbekannten, die im Frühling besonders stark zu sein scheint. Der Dichter ermutigt die Menschen, diese Sehnsucht zu umarmen und sich von ihr leiten zu lassen, auch wenn sie manchmal zu einem "schlechten Idol" wie der Erde zurückkehren müssen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Hyperbel
Als baue er den Hindukusch
Metapher
Denn Himmelsfähren, gehn, Bruder, über dir und mir
Personifikation
Der Maulwurf gräbt und wirft den Hügel
Vergleich
Vor die ein Sturmpferd sich gespannt