Die Freundinnen an der Freundin Hochzeittage
1827In Deines Festes fröhliche Gesänge Mischt sich ein trauter Ton aus alter Zeit, Es lockt Dich aus dem jubelnden Gedränge Zurück noch einmal zur Vergangenheit; Die Freundschaft ist′s, es sind der Schwestern Tritte, Sie pochen schüchtern an der Pforte an, Sie nahen Dir, sie flüstern ihre Bitte Und fragen freundlich: »Denkst Du noch daran?«
Denkst Du daran, wie wir uns einst gefunden In unsrer Kindheit holder Blumenwelt? Es waren unsres Lebens Morgenstunden, Vom Frührot reiner Freuden schon erhellt; Der Schule Mühen, alle frohen Spiele Und aller Jubel von der Kindheit Bahn, Sie steigen auf in freudigem Gewühle Und fragen mit uns: »Denkst Du noch daran?«
Denkst Du daran, wie an der Kindheit Grenzen Uns eine schönre Freudenwelt empfing? Wie uns ein Leben voll Gesang und Tänzen, Gefaßt in seinen wundervollen Ring? Und wie auch ernste deutungsvolle Tage Des Lebens Ernst und Würde zeigten an? Es war der Jugend Frühlingstag; o sage, Die Schwestern bitten: »Denkst Du noch daran?«
Wohl trittst Du jetzt in ernster Frauen Kreise, Die Myrte schmückt zum letztenmal Dein Haar Du tändelst nicht mehr nach der Mädchen Weise, Du nimmst jetzt Abschied von der Jungfraun Schar; Doch, blickst Du künftig ernst in unsern Reigen, Schilt unsre Freuden dann nicht leeren Wahn; Denn die Erinnrung wird Dir Bilder zeigen Und lächelnd sagen: »Denkst Du noch daran?«
Du denkst daran! und zum Gedächtnismale, Als eine reine, jungfräuliche Zier, Nimm von den Schwestern die kristallne Schale, Wir reichen sie mit frommen Wünschen Dir. So werden wir in Deinem Herzen leben, Denn siehst Du einmal diese Schale an, Dann wird Dich die Erinnerung umschweben Und freundlich sagst Du: »Ja, ich denk daran.«
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Interpretation
Das Gedicht "Die Freundinnen an der Freundin Hochzeittage" von Wilhelm Hauff thematisiert die Verbundenheit zwischen Freundinnen und die Erinnerung an gemeinsame Erlebnisse. Anlässlich der Hochzeit einer Freundin erinnern sich die anderen Freundinnen an die schöne Zeit in ihrer Kindheit und Jugend. Sie bitten die Braut, an all die gemeinsamen Erlebnisse zu denken und nicht den Kontakt zu ihnen zu verlieren. Die Freundinnen blicken zurück auf ihre Kindheit, in der sie sich in einer "Blumenwelt" gefunden haben. Sie erinnern sich an die "Morgenstunden" ihres Lebens, die vom "Frührot reiner Freuden" erhellt waren. Auch die Schulzeit und die gemeinsamen Spiele werden thematisiert. Die Erinnerungen werden als "freudiges Gewühle" beschrieben, das die Frage aufwirft: "Denkst Du noch daran?" Im weiteren Verlauf des Gedichts wird die Übergangszeit von der Jugend zum Erwachsenenalter thematisiert. Die Freundinnen erinnern sich an die "schönre Freudenwelt", die sie empfangen hat, als sie an die Grenzen der Kindheit stießen. Sie beschreiben das Leben als einen "wundervollen Ring" aus Gesang und Tanz. Auch ernste Tage, die den Ernst und die Würde des Lebens zeigten, werden erwähnt. Die Freundinnen bitten die Braut erneut, an all diese Erlebnisse zu denken. Zum Abschluss des Gedichts wird die aktuelle Situation der Braut thematisiert. Sie tritt in den "Kreis der Frauen" ein und wird durch die Myrte geschmückt. Die Freundinnen wissen, dass sie nicht mehr "nach der Mädchen Weise" tändeln wird und Abschied von der "Jungfraun Schar" nimmt. Dennoch bitten sie sie, nicht ihre Freude zu verachten, wenn sie in Zukunft ernst in ihren Reigen blickt. Die Erinnerung wird ihr Bilder zeigen und sie lächelnd fragen: "Denkst Du noch daran?"
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- fröhliche Gesänge
- Anapher
- Denkst Du daran
- Kontrast
- Du nimmst jetzt Abschied von der Jungfraun Schar
- Metapher
- Des Lebens Ernst und Würde
- Personifikation
- Die Freundschaft ist's, es sind der Schwestern Tritte
- Symbol
- Die kristallne Schale