Die fremde Stadt

Maria Luise Weissmann

1899

Der Himmel ist aus viel Zement gemauert, Sehr nah. Und grell mit Tünche übermalt Von jenem Blau, das Litfaßsäule strahlt; Aus Winkeln, dumpf und schwer, Verhängnis lauert,

Und Ecken starren, oh so todumschauert, - Klippen, - ich Woge, jählings dran zerschellt, Bis mich die Flut zerschmettert weiterwellt. In diesem Autopfiff, der Nächte überdauert,

Ging mir die ewige Seligkeit verloren. - Oh Engelstimmen, oh Gesang der Harfen, Gebetshauch, Palmenduft, oh Flügelwehn! -

Ich stoße mich an fest verrammten Toren, Ich starre rings in tausend Schreckenslarven, Ich bin so müd, und darf nicht schlafen gehn.

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Illustration zu Die fremde Stadt

Interpretation

Das Gedicht "Die fremde Stadt" von Maria Luise Weissmann schildert das Gefühl der Entfremdung und Verlorenheit in einer urbanen Umgebung. Die Stadt wird als bedrückend und bedrohlich dargestellt, mit einem Himmel aus Zement und einem grellen Blau, das eher an Litfaßsäulen als an Natur erinnert. Die Ecken starren "todumschauert", und aus Winkeln lauert Verhängnis. Die Stadt wird als eine Art Klippe beschrieben, an der sich der lyrische Ich wie eine Woge zerschellt und von einer Flut weitergeschwemmt wird. Der Autopfiff, der die Nächte überdauert, symbolisiert die permanente Geräuschkulisse und Hektik der Stadt, die zur Verlorenheit des lyrischen Ichs beiträgt. In der zweiten Strophe kontrastiert das lyrische Ich die bedrückende Stadt mit Bildern von ewiger Seligkeit, wie Engelstimmen, Harfengesang, Gebetshauch, Palmenduft und Flügelwehn. Diese Assoziationen von Frieden, Spiritualität und Natur stehen im krassen Gegensatz zur städtischen Umgebung. Das lyrische Ich stößt sich an fest verrammelten Toren, was die Unerreichbarkeit dieser Sehnsuchtsorte symbolisiert. Es starrt in "tausend Schreckenslarven", was die Angst und Bedrohung in der Stadt verdeutlicht. Die Müdigkeit des lyrischen Ichs, die es nicht schlafen gehen darf, unterstreicht die Erschöpfung und den Dauerstress in der urbanen Umgebung. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefgreifende Kritik an der modernen Stadt und ihren Auswirkungen auf das menschliche Empfinden. Die Stadt wird als Ort der Entfremdung, Bedrohung und Verlorenheit dargestellt, der im krassen Gegensatz zu den Sehnsuchtsorten von Frieden, Natur und Spiritualität steht. Das lyrische Ich fühlt sich in dieser Umgebung gefangen und überfordert, was zu einem Gefühl der Resignation und Erschöpfung führt. Das Gedicht verdeutlicht die psychologischen Auswirkungen des modernen Stadtlebens und die Sehnsucht nach einer Alternative zu dieser bedrückenden Realität.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
müd, und darf
Kontrast
Ich bin so müd, und darf nicht schlafen gehn
Metapher
Ich bin so müd, und darf nicht schlafen gehn
Personifikation
Ich bin so müd, und darf nicht schlafen gehn