Die Freiheit der Sünde
1911O glaube nicht, daß du durch deine Sünde Die Welt verwirrst! Wie du auch freveln mögest, Und ob du Gott dein Ich auch ganz entzögest, Du hinderst nicht, daß sie zum Kreis sich ründe!
Ja, ob du, in des innern Abgrunds Schlünde Hinunter taumelnd, völlig dich betrögest Und dich hinauf zur Götter-Freiheit lögest, Doch trifft dich das Gericht, das ich verkünde!
Wir leben nur im Ewigen und Wahren, Und ihm entfliehen wollen, würde heißen, In uns’rer Brust den Odem anzuhalten;
Wir können’s, doch es wird sich offenbaren, Daß wir das eig’ne Lebensband zerreißen Und Nichts dadurch im Aether umgestalten.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Freiheit der Sünde" von Friedrich Hebbel handelt von der Unausweichlichkeit des Schicksals und der Begrenztheit menschlicher Freiheit. Der Sprecher warnt davor, zu glauben, dass man durch seine Sünden die Welt verwirren oder Gott entfliehen könne. Er betont, dass das Leben im Ewigen und Wahren stattfindet und dass der Versuch, diesem zu entkommen, dem Anhalten des Atems in der eigenen Brust gleichkommt. Der Sprecher erklärt, dass man zwar in der Lage ist, das eigene Lebensband zu zerreißen, aber dadurch nichts im Äther umgestaltet wird. Das Gedicht vermittelt eine pessimistische Sicht auf die menschliche Existenz und die Unausweichlichkeit des Schicksals.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Und Nichts dadurch im Aether umgestalten
- Personifikation
- Und ob du Gott dein Ich auch ganz entzögest