Die Frauen gehen an Don Juan vorüber

Gerrit Engelke

1921

Geh! Weib! Deinen Leib, Dein Wort, Was du denkst: Kenne ich längst! Geh! fort!

Du mit dem Glutblick, Du Schwarze erschrick: Ich spei dich an! Ich lache deiner Liebe, – Weißt ja, Triebe Hat der Mann.

Dir hab ich frech das Herz entblößt Und holden Wahnsinn eingeflößt; Und dein Blut war wie Gärwein flüssig; – Auch du warst einst für mich entbrannt, Doch glaub, du warst mir Tand. Ihr wart mir Alle, Alle überdrüssig!

Mehr, mehr! schneller vorbei! Du Blonde, du Donna, du Annamarei! Daß endlich die endlose Kette Ein Ende nimmt – Wieder, wieder zuckt ein Mund, glimmt Ein Blick vorbei –

Kommt nur, ihr andern aus der Ferne: Du, wie zittern deine Augensterne; Du mit dem Mundrubin – hah! ich kenne euch nicht! Doch, Weiber ihr, schön und verflucht, Wo ist die, die ich meines Lebens Ewigkeit gesucht? Wankt doch die Eine schon im Licht? –

Ich hebe wieder mein verwüstet Herz Zu neuer Sehnsucht, neuem Schmerz: Ich sehe selig den verklärten Leib Der Einen, der sich meine Adern weiten, Den Strahlenweg hernieder gleiten – Komm! Du! – Komm, Weib!

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Illustration zu Die Frauen gehen an Don Juan vorüber

Interpretation

Das Gedicht "Die Frauen gehen an Don Juan vorüber" von Gerrit Engelke zeigt die Figur des Don Juan als einen Mann, der durch eine Vielzahl von Frauen zieht, ohne jedoch wahre Erfüllung zu finden. Der Text beginnt mit einer harschen Abweisung der Frauen, die als austauschbar und uninteressant dargestellt werden. Don Juan zeigt sich abgestumpft und überdrüssig, er betrachtet die Frauen lediglich als Objekte seiner Triebe. Die Wiederholung von "Geh! fort!" und die aggressive Sprache verdeutlichen seine Frustration und seine Unfähigkeit, sich auf eine Frau einzulassen. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Suche nach der idealen Frau deutlich. Trotz seiner vielen Eroberungen bleibt Don Juan unzufrieden und sehnsüchtig. Er fragt sich, wo die Frau ist, die er "seines Lebens Ewigkeit" gesucht hat. Die Frauen werden als "schön und verflucht" beschrieben, was die ambivalente Natur seiner Gefühle verdeutlicht. Don Juan ist gefangen in einem Kreislauf aus Begehren und Enttäuschung, der ihn immer wieder auf die Suche nach der perfekten Frau schickt. Der letzte Teil des Gedichts zeigt Don Juan in einem Zustand der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Er hebt sein "verwüstet Herz" zu neuer Sehnsucht und Schmerz, was seine emotionale Erschöpfung verdeutlicht. Trotz allem hofft er noch immer auf die eine Frau, die ihn erlösen und sein Leben verändern könnte. Der wiederholte Ruf "Komm! Du! – Komm, Weib!" zeigt seine anhaltende Sehnsucht und seine Unfähigkeit, sich von der Suche nach der idealen Frau zu lösen.

Schlüsselwörter

geh weib leib kenne herz warst alle mehr

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Du Blonde, du Donna, du Annamarei
Anapher
Geh! Weib! Deinen Leib, Dein Wort, Was du denkst:
Hyperbel
Ich sehe selig den verklärten Leib Der Einen, der sich meine Adern weiten, Den Strahlenweg hernieder gleiten
Metapher
Und dein Blut war wie Gärwein flüssig
Personifikation
Ich lache deiner Liebe
Rhetorische Frage
Wo ist die, die ich meines Lebens Ewigkeit gesucht?