Die Forelle

Christian Friedrich Daniel Schubart

1783

In einem Bächlein helle. Da schoss in froher Eil Die launische Forelle Vorüber wie ein Pfeil. Ich stand an dem Gestade Und sah in süßer Ruh Des muntern Fisches Bade Im klaren Bächlein zu.

Ein Fischer mit der Rute Wohl an dem Ufer stand Und sahs mit kaltem Blute, Wie sich das Fischlein wand. So lang dem Wasser Helle, So dacht ich, nicht gebricht, So fängt er die Forelle Mit seiner Angel nicht.

Doch plötzlich ward dem Diebe Die Zeit zu lang. Er macht Das Bächlein tückisch trübe, Und eh ich es gedacht, So zuckte seine Rute, Das Fischlein zappelt dran, Und ich mit regem Blute Sah die Betrogne an.

Das ihr am goldnen Quelle Der sichern Jugend weilt, Denkt doch an die Forelle; Seht ihr Gefahr, so eilt! Meist fehlt ihr nur aus Mangel Der Klugheit. Mädchen, seht Verführer mit der Angel! Sonst blutet ihr zu spät.

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Illustration zu Die Forelle

Interpretation

Das Gedicht "Die Forelle" von Christian Friedrich Daniel Schubart handelt von einem unschuldigen Fisch, der in einem klaren Bächlein schwimmt und von einem Fischer mit kalter Blutrünstigkeit beobachtet wird. Der Erzähler steht am Ufer und betrachtet den munteren Fisch in seiner natürlichen Umgebung, bis der Fischer plötzlich das Wasser trübt und die Forelle mit seiner Angel fängt. Der Erzähler ist schockiert und erblickt das betrogene Fischlein. Das Gedicht dient als moralische Allegorie und warnt vor den Gefahren, die in der Welt lauern. Die Forelle symbolisiert die Unschuld und Verletzlichkeit, während der Fischer die Verführer und Gefahren repräsentiert. Der Erzähler appelliert an die Jugendlichen, insbesondere an die Mädchen, wachsam zu sein und sich vor Verführern zu hüten. Er betont, dass oft der Mangel an Klugheit zu spätem Bedauern führt. Die Sprache des Gedichts ist poetisch und anschaulich, mit einer klaren Struktur und einem regelmäßigen Reimschema. Die Verwendung von Metaphern und Symbolen verleiht dem Gedicht eine tiefere Bedeutungsebene und regt den Leser zum Nachdenken über die Vergänglichkeit der Unschuld und die Notwendigkeit von Vorsicht im Leben an.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Des muntern Fisches Bade
Bildsprache
Ich stand an dem Gestade Und sah in süßer Ruh
Enjambement
In einem Bächlein helle. Da schoss in froher Eil
Hyperbel
Und ich mit regem Blute Sah die Betrogne an
Ironie
Ein Fischer mit der Rute Wohl an dem Ufer stand
Metapher
Die launische Forelle
Personifikation
So lang dem Wasser Helle
Reimschema
AABB
Symbolik
Das ihr am goldnen Quelle Der sichern Jugend weilt
Vergleich
Vorüber wie ein Pfeil