Die Flüsse

Friedrich von Schiller

1804

Rhein Treu, wie dem Schweizer gebührt, bewach ich Germaniens Grenze, Aber der Gallier hüpft über den duldenden Strom.

Rhein und Mosel Schon so lang umarm ich die lotharingische Jungfrau, Aber noch hat kein Sohn unsre Umarmung erfreut!

Donau in B** Bacchus der lustige führt mich und Komus der fette durch reiche Triften, aber verschämt bleibet die Charis zurück.

Donau in O** Mich umwohnet mit glänzendem Aug das Volk der Phaiaken; Immer ists Sonntag, es dreht immer am Herd sich der Spieß.

Main Meine Burgen zerfallen zwar; doch getröstet erblick ich Seit Jahrhunderten noch immer das alte Geschlecht.

Saale Kurz ist mein Lauf und begrüßt der Fürsten, der Völker so viele, Aber die Fürsten sind gut, aber die Völker sind frei.

Ilm Meine Ufer sind arm, doch höret die leisere Welle, Führt der Strom sie vorbei, manches unsterbliche Lied.

Pleiße Flach ist mein Ufer und seicht mein Bächlein, es schöpften zu durstig Meine Poeten mich, meine Prosaiker aus.

Elbe All ihr andern, ihr sprecht nur ein Kauderwelsch. Unter den Flüssen Deutschlands rede nur ich, und auch in Meißen nur, deutsch.

Spree Sprache gab mir einst Ramler und Stoff mein Cäsar, da nahm ich Meinen Mund etwas voll, aber ich schweige seitdem.

Weser Leider von mir ist gar nichts zu sagen, auch zu dem kleinsten Epigramme, bedenkt! geb ich der Muse nicht Stoff.

Gesundbrunnen zu *** Seltsames Land! Hier haben die Flüsse Geschmack und die Quellen, Bei den Bewohnern allein hab ich noch keinen verspürt.

Pegnitz Ganz hypochondrisch bin ich vor langer Weile geworden, Und ich fließe nur fort, weil es so hergebracht ist.

Die **chen Flüsse Unsereiner hats halter gut in **cher Herren Ländern, ihr Joch ist sanft, und ihre Lasten sind leicht.

Salzach Aus Juvaviens Bergen ström ich, das Erzstift zu salzen, Lenke dann Bayern zu, wo es an Salze gebricht.

Der anonyme Fluß Fastenspeisen dem Tisch des frommen Bischofs zu liefern, Goß der Schöpfer mich aus durch das verhungerte Land.

Les fleuves indiscrets Jetzt kein Wort mehr, ihr Flüsse! Man siehts, ihr wißt euch so wenig Zu bescheiden, als einst Diderots Schätzchen getan.

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Illustration zu Die Flüsse

Interpretation

Das Gedicht "Die Flüsse" von Friedrich von Schiller ist eine Sammlung von Monologen, in denen verschiedene Flüsse ihre eigene Persönlichkeit und ihre Beziehung zu den umliegenden Regionen und Völkern zum Ausdruck bringen. Jeder Fluss wird als eigenständige Figur dargestellt, die ihre eigene Geschichte, ihre Stärken und Schwächen sowie ihre Beziehung zu den Menschen und der Natur beschreibt. Die Flüsse werden als Charaktere mit individuellen Eigenschaften und Erfahrungen dargestellt, die ihre Rolle im Leben der Menschen und in der Natur reflektieren. Die Flüsse werden als Spiegelbilder der Regionen und Kulturen dargestellt, in denen sie fließen. Sie spiegeln die Geschichte, die Traditionen und die Beziehungen zwischen den Völkern wider. Einige Flüsse werden als treue Wächter oder Beschützer ihrer Regionen dargestellt, während andere als verspielte oder unruhige Figuren erscheinen. Die Flüsse werden auch als Zeugen der Veränderungen in der Gesellschaft und in der Natur dargestellt, die ihre Ufer und ihre Umgebung im Laufe der Zeit beeinflusst haben. Das Gedicht endet mit einer Warnung an die Flüsse, sich zurückzuhalten und nicht zu viel zu verraten, ähnlich wie es Diderot in seinen "indiskreten Flüssen" getan hat. Diese Warnung deutet darauf hin, dass die Flüsse, obwohl sie als individuelle Charaktere dargestellt werden, auch Teil eines größeren Ganzen sind und ihre Rolle in der Natur und in der Gesellschaft respektieren sollten. Das Gedicht ist eine poetische Darstellung der Beziehung zwischen Mensch und Natur, in der die Flüsse als lebendige Wesen mit eigenen Persönlichkeiten und Erfahrungen dargestellt werden.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Fastenspeisen dem Tisch des frommen Bischofs zu liefern
Personifikation
Jetzt kein Wort mehr, ihr Flüsse!