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Die fleißige Familie

Von

Was von mir stammt, das muß musizieren
Und von mir sich lassen dirigieren –
Als Papa
Sitz′ ich da
Mit des Cellos führender Gewalt,
Geb′ dem Ganzen Takt und Halt!

Meine Phyllis streicht die Violine,
Meine Chloris bläst die Klarinette:
Dazu singen mit galanter Miene
Meine Kavaliere eine Kavatine.

Emmeline,
Du mein Weib!

Bitter zwar ist der Verzicht:
Musikalisch bist du nicht,
Da ist alle Müh′ umsunst –
Aber fruchtbar ist dein Leib,
Und auch damit förderst du die Kunst!

Geh′ zur Mette,
Emmeline!

Bete an der frommen Stätte,
Daß sich längert noch die Kette –
Und ich wette:
Nächstens üben wir Septette!

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Gedicht: Die fleißige Familie von Hanns von Gumppenberg

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Die fleißige Familie“ von Hanns von Gumppenberg ist eine humorvolle Satire auf die bürgerliche Vorstellung von Bildung und Kultur, speziell auf die ehrgeizige Selbstdarstellung einer Familie. Es zeigt den Vater, der sich selbst als Dirigent und Mittelpunkt des musikalischen Geschehens sieht. Die restlichen Familienmitglieder sind als musizierende Akteure aufgeführt, wobei die Tochter Phyllis die Violine, die Tochter Chloris die Klarinette spielt und die Söhne eine Kavatine singen. Die humorvolle Übertreibung der musikalischen Fähigkeiten und die stolze Präsentation der familiären Künste kennzeichnen den Kern des Gedichts.

Der entscheidende Witz liegt in der Behandlung der Ehefrau Emmeline. Obwohl sie nicht musikalisch begabt ist, wird ihre „Fruchtbarkeit“ als ihr Beitrag zur Kunst herausgestellt, da sie die Nachkommen für das zukünftige Familienorchester liefert. Der „Verzicht“ auf ihre musikalische Beteiligung wird durch die Notwendigkeit ihres Geburtenbeitrags aufgewogen. Ihr wird sogar die Aufgabe der religiösen Übungen, des Gebets in der Kirche zugewiesen, damit die Familie weiter wächst. Damit wird der Fokus auf die Nachkommenschaft gesetzt, die die musikalischen Ambitionen des Vaters fortführen und das „Septett“ ermöglichen soll.

Die Verwendung von Namen aus der antiken Mythologie und dem Rokoko (Phyllis, Chloris) kontrastiert mit der spießbürgerlichen Familienkonstellation, was den satirischen Charakter des Gedichts unterstreicht. Auch der Übergang von der Beschreibung des Musikmachens zum Ausblick auf das „Septett“ ist bezeichnend. Es wird impliziert, dass die Musik der Familie weniger Ausdruck von Kunst als vielmehr ein Mittel zur Selbstverwirklichung und zum sozialen Aufstieg ist.

Gumppenberg nutzt einen lockeren, reimenden Stil, um die Leichtigkeit und den Humor des Gedichts zu betonen. Die Struktur des Gedichts mit ihren abwechselnden Reimen, die rhythmische Gestaltung und die Kürze der Verse unterstützen die komische Wirkung. Die Ironie, die in der Darstellung der Familienmitglieder und ihrer jeweiligen Rollen liegt, macht das Gedicht zu einer unterhaltsamen Kritik an dem Streben nach bürgerlicher Exzellenz und dem kultivierten Schein. Das Gedicht ist somit eine unterhaltsame Persiflage auf bürgerliche Ambitionen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.