Die fleißige Familie

Hanns von Gumppenberg

1866

Was von mir stammt, das muß musizieren Und von mir sich lassen dirigieren - Als Papa Sitz′ ich da Mit des Cellos führender Gewalt, Geb′ dem Ganzen Takt und Halt!

Meine Phyllis streicht die Violine, Meine Chloris bläst die Klarinette: Dazu singen mit galanter Miene Meine Kavaliere eine Kavatine.

Emmeline, Du mein Weib!

Bitter zwar ist der Verzicht: Musikalisch bist du nicht, Da ist alle Müh′ umsunst - Aber fruchtbar ist dein Leib, Und auch damit förderst du die Kunst!

Geh′ zur Mette, Emmeline!

Bete an der frommen Stätte, Daß sich längert noch die Kette - Und ich wette: Nächstens üben wir Septette!

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Illustration zu Die fleißige Familie

Interpretation

Das Gedicht "Die fleißige Familie" von Hanns von Gumppenberg ist eine humorvolle Darstellung einer musikalisch ambitionierten Familie. Der Vater, der das Cello spielt, übernimmt die Rolle des Dirigenten und gibt dem Ensemble den Takt und Halt. Seine Töchter Phyllis und Chloris tragen mit der Violine und der Klarinette zur musikalischen Darbietung bei, während die Söhne als Kavaliere eine Kavatine singen. Die Familie ist offensichtlich sehr musikalisch und engagiert sich in gemeinsamen musikalischen Aktivitäten. Die Ehefrau Emmeline wird im Gedicht etwas anders dargestellt. Sie wird als nicht musikalisch begabt beschrieben, was für den Vater eine "bittere Verzicht" ist. Dennoch wird ihre Fruchtbarkeit als Beitrag zur Kunst betrachtet, da sie den Familiennachwuchs sichert. Dies deutet auf eine ironische Betrachtung der Rolle der Frau in der Familie und der Gesellschaft hin, bei der ihre Fruchtbarkeit als künstlerischer Beitrag angesehen wird. Das Gedicht endet mit einer Aufforderung an Emmeline, zur Mette zu gehen und für eine Verlängerung der "Kette" zu beten, was sich auf die Fortsetzung der Familie bezieht. Der Vater wettet, dass sie bald Septette üben werden, was auf die Erwartung weiterer Kinder und damit weiterer Musiker in der Familie hindeutet. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine satirische Sicht auf die Familienstruktur und die Rollenverteilung innerhalb einer musikalischen Familie.

Schlüsselwörter

emmeline stammt muß musizieren lassen dirigieren papa sitz

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Geb′ dem Ganzen Takt und Halt
Bildsprache
Meine Phyllis streicht die Violine, Meine Chloris bläst die Klarinette
Hyperbel
Mit des Cellos führender Gewalt
Ironie
Aber fruchtbar ist dein Leib, Und auch damit förderst du die Kunst
Kontrast
Bitter zwar ist der Verzicht: Musikalisch bist du nicht
Metapher
Was von mir stammt, das muß musizieren
Personifikation
Was von mir stammt, das muß musizieren