Die Flamingos
1875Jardin des plantes, Paris
In Spiegelbildern wie von Fragonard ist doch von ihrem Weiß und ihrer Röte nicht mehr gegeben, als dir einer böte, wenn er von seiner Freundin sagt: sie war noch sanft von Schlaf. Denn steigen sie ins Grüne und stehn, auf rosa Stielen leicht gedreht, beisammen, blühend, wie in einem Beet, verführen sie verführender als Phryne sich selber; bis sie ihres Auges Bleiche hinhalsend bergen in der eignen Weiche, in welcher Schwarz und Fruchtrot sich versteckt. Auf einmal kreischt ein Neid durch die Voliere; sie aber haben sich erstaunt gestreckt und schreiten einzeln ins Imaginäre.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Flamingos" von Rainer Maria Rilke beschreibt die Faszination und Anmut der Flamingos im Pariser Jardin des plantes. Rilke vergleicht ihre Erscheinung mit den zarten Bildern von Fragonard und betont die Schönheit ihrer weißen und roten Federn. Die Flamingos werden als sanft und blühend dargestellt, die sich selbst verführen und ihre Augen in ihrer eigenen Weiche bergen, wo Schwarz und Fruchtrot sich verstecken. Die Flamingos werden als faszinierende Kreaturen dargestellt, die eine gewisse Erotik und Anziehungskraft ausstrahlen. Sie stehen auf rosa Stielen, beisammen wie in einem Beet, und verzaubern den Betrachter mit ihrer Schönheit. Rilke vergleicht ihre Anziehungskraft sogar mit der der berühmten Hetäre Phryne. Die Flamingos sind in ihrer eigenen Welt gefangen, die durch ihre Augen und die versteckten Farben in ihrer Weiche symbolisiert wird. Am Ende des Gedichts durchbricht ein plötzlicher Neid die friedliche Atmosphäre der Voliere. Die Flamingos werden davon überrascht und strecken sich erstaunt. Sie beginnen, einzeln ins Imaginäre zu schreiten, was darauf hindeutet, dass sie sich von der Realität lösen und in ihre eigene Fantasiewelt eintauchen. Das Gedicht endet mit einem Hauch von Geheimnis und dem Eindruck, dass die Flamingos eine Welt für sich selbst haben, die nur schwer zu durchdringen ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- sanft von Schlaf
- Bildsprache
- beisammen, blühend, wie in einem Beet
- Hyperbel
- verführen verführender als Phryne
- Metapher
- In Spiegelbildern wie von Fragonard
- Personifikation
- bis sie ihres Auges Bleiche hinhalsend bergen
- Symbolik
- Schwarz und Fruchtrot sich versteckt
- Vergleich
- verführen verführender als Phryne