Die Fensterrose

Rainer Maria Rilke

1875

Da drin: das träge Treten ihrer Tatzen macht eine Stille, die dich fast verwirrt; und wie dann plötzlich eine von den Katzen den Blick an ihr, der hin und wieder irrt,

gewaltsam in ihr großes Auge nimmt, - den Blick, der, wie von eines Wirbels Kreis ergriffen, eine kleine Weile schwimmt und dann versinkt und nichts mehr von sich weiß

wenn dieses Auge, welches scheinbar ruht, sich auftut und zusammenschlägt mit Tosen und ihn hineinreißt bis ins rote Blut -:

So griffen einstmals aus dem Dunkelsein der Kathedralen große Fensterrosen ein Herz und rissen es in Gott hinein.

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Illustration zu Die Fensterrose

Interpretation

Das Gedicht "Die Fensterrose" von Rainer Maria Rilke handelt von der überwältigenden und verwirrenden Kraft, die von der Schönheit und dem Geheimnis der gotischen Kathedralen ausgeht. Die Katzen in der Stille des Innenraums symbolisieren die Ruhe und den Bann, den diese Orte auf den Betrachter ausüben. Die plötzliche Bewegung einer Katze und ihr intensiver Blick repräsentieren den Moment, in dem der Betrachter von der Pracht der Kathedrale gefangen genommen wird. Die Beschreibung des Auges der Katze, das sich öffnet und mit Tosen zuschlägt, ist eine Metapher für die überwältigende Wirkung der Fensterrosen in den Kathedralen. Diese farbenprächtigen Glasfenster ziehen den Betrachter in ihren Bann und reißen ihn mit ihrer Schönheit und spirituellen Tiefe mit. Die "rote Blut" genannte Farbe symbolisiert die Leidenschaft und die intensive emotionale Erfahrung, die der Betrachter in diesem Moment empfindet. Abschließend vergleicht Rilke die Wirkung der Fensterrosen mit der eines Herzens, das von der Dunkelheit der Kathedrale ergriffen und in Gott hineingerissen wird. Dies deutet darauf hin, dass die Pracht und der spirituelle Charakter der gotischen Kathedralen eine tiefe religiöse Erfahrung ermöglichen, die den Betrachter in einen Zustand der Transzendenz versetzt und ihn mit dem Göttlichen verbindet.

Schlüsselwörter

blick auge drin träge treten tatzen macht stille

Wortwolke

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Stilmittel

Hyperbel
reißt es in Gott hinein
Metapher
die Stille, die dich fast verwirrt
Personifikation
das träge Treten ihrer Tatzen macht eine Stille
Vergleich
So griffen einstmals aus dem Dunkelsein