Die Felswand
1825Feindselig, wildzerrissen steigt die Felswand. Das Auge schrickt zurück. Dann irrt es unstät Daran herum. Bang sucht es, wo es hafte. Dort! über einem Abgrund schwebt ein Brücklein Wie Spinnweb. Höher um die scharfe Kante Sind Stapfen eingehaun, ein Wegesbruchstück! Fast oben ragt ein Tor mit blauer Füllung: Dort klimmt ein Wanderer zu Licht und Höhe! Das Aug verbindet Stiege, Stapfen, Stufen. Es sucht. Es hat den ganzen Pfad gefunden, Und gastlich, siehe, wird die steile Felswand.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Felswand" von Conrad Ferdinand Meyer beschreibt eine zunächst bedrohliche und unüberwindbar wirkende Felswand, die das Auge in Angst und Schrecken versetzt. Die "feindselig" und "wildzerrissen" wirkende Naturkulisse vermittelt eine Atmosphäre der Gefahr und Ungewissheit. Doch bei genauerer Betrachtung entdeckt der Betrachter einen schmalen Pfad, der sich durch die Felswand schlängelt. Ein wackliges Brücklein, in die Felswand gehauene Stufen und ein Tor, das zu "Licht und Höhe" führt, geben Hoffnung und Orientierung. Das Auge verbindet die einzelnen Elemente des Weges und erkennt einen gangbaren Pfad durch die zuvor undurchdringliche Felswand. Am Ende des Gedichts wandelt sich die Wahrnehmung der Felswand. Aus dem feindseligen Hindernis wird ein "gastliches" und einladendes Ziel. Die steile Felswand, die zuerst Angst und Schrecken auslöste, erscheint nun als erstrebenswerter Aufstieg zu Licht und Höhe. Meyer vermittelt damit die Botschaft, dass sich selbst die größten Herausforderungen und Hindernisse durch genaue Betrachtung und Ausdauer überwinden lassen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Das Auge schrickt zurück. Dann irrt es unstät / Dabei herum
- Hyperbel
- Das Aug verbindet Stiege, Stapfen, Stufen
- Kontrast
- gastlich, siehe, wird die steile Felswand
- Metapher
- über einem Abgrund schwebt ein Brücklein / Wie Spinnweb
- Personifikation
- Feindselig, wildzerrissen steigt die Felswand
- Symbolik
- zu Licht und Höhe