Die Faulheit
unknownFleiß und Arbeit lob′ ich nicht. Fleiß und Arbeit lob′ ein Bauer. Ja, der Bauer selber spricht, Fleiß und Arbeit wird ihm sauer. Faul zu sein, sei meine Pflicht; Diese Pflicht ermüdet nicht.
Bruder, laß das Buch voll Staub. Willst du länger mit ihm wachen? Morgen bist du selber Staub! Laß uns faul in allen Sachen, Nur nicht faul zu Lieb′ und Wein, Nur nicht faul zur Faulheit sein.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Die Faulheit" von Gotthold Ephraim Lessing präsentiert eine ironische und satirische Perspektive auf das Konzept der Faulheit. Der Sprecher lobt die Faulheit und verhöhnt die traditionellen Werte von Fleiß und Arbeit, die typischerweise von Bauern geschätzt werden. Die Faulheit wird als eine Pflicht dargestellt, die nicht ermüdet, was eine Umkehrung der üblichen Vorstellungen von Arbeit als anstrengend und belastend suggeriert. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Vergänglichkeit des Lebens betont. Der Sprecher rät seinem "Bruder", das staubige Buch beiseitezulegen und stattdessen die Faulheit zu genießen. Die Erinnerung daran, dass man selbst morgen zu Staub werden könnte, unterstreicht die Vergänglichkeit des Lebens und die Nutzlosigkeit übermäßiger Arbeit. Faulheit wird als eine Art Lebensphilosophie präsentiert, die es ermöglicht, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Allerdings gibt es eine Einschränkung in der Faulheit: Man sollte nicht faul in Bezug auf Liebe und Wein sein, noch faul in Bezug auf die Faulheit selbst. Dies deutet darauf hin, dass es wichtig ist, die Freuden des Lebens zu genießen und die Faulheit als eine bewusste Entscheidung zu praktizieren, anstatt sie als eine passive Haltung zu betrachten. Das Gedicht lädt den Leser dazu ein, über die Bedeutung von Arbeit und Ruhe nachzudenken und die Balance zwischen beidem zu finden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Kontrast
- Fleiß und Arbeit wird ihm sauer.
- Metapher
- Morgen bist du selber Staub!
- Parallelismus
- Nur nicht faul zu Lieb′ und Wein, / Nur nicht faul zur Faulheit sein.
- Reimschema
- AABB
- Wiederholung
- Fleiß und Arbeit lob′ ich nicht. / Fleiß und Arbeit lob′ ein Bauer.