Die Fabrik

Gerrit Engelke

1921

Düster, breit, kahl und eckig Liegt im armen Vorort die Fabrik. Zuckend schwillt, schrill und brutal Aus den Toren Maschinen-Musik.

Schlot und Rohr und Schlot und Schlot, Heißdurchkochtes Turmgestein, Speien dickes Qualmgewölk Ueber traurigstarre Häuser, Straßenkot.

Tausend Mann, Schicht um Schicht, Saugt die laute Arbeits-Hölle auf. Zwingt sie all in harte Pflicht Stunde um Stunde.

Bis der Pfiff heiser gellt: Aus offnem Tore strömen dann Mädchen, Frauen, Mann und Mann – Blasses Volk – müde – verquält –

Schläft der Ort –: glüh und grell Schreit aus hundert Fenstern Licht! Kraftgesumm, Rädersausen, Qualm durchbricht Roh und dumpf die Nacht –

Tag und Nacht: Lärm und Dampf, Immer Arbeit, immer Kampf: Unerbittlich schröpft das Moloch-Haus Stahl und Mensch um Menschen aus.

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Illustration zu Die Fabrik

Interpretation

Das Gedicht "Die Fabrik" von Gerrit Engelke beschreibt die düstere und bedrückende Atmosphäre einer Fabrik in einem armen Vorort. Die Fabrik wird als düster, breit, kahl und eckig dargestellt, und aus ihren Toren ertönt eine schrille und brutale Maschinenmusik. Die Schornsteine und Rohre spucken dicken Qualm über die traurig starren Häuser und die schmutzigen Straßen. Tausende von Arbeitern werden in die laute Arbeitshölle gesogen und gezwungen, harte Pflichten Stunde um Stunde zu erfüllen. Wenn der Pfiff ertönt, strömen die Arbeiter, darunter Mädchen, Frauen und Männer, als blasses, müdes und verquältes Volk aus dem offenen Tor. Die Fabrik scheint niemals zu schlafen, da aus hundert Fenstern glühendes und grelles Licht dringt. Die Geräusche der Maschinen, das Räderrauschen und der Qualm durchbrechen die Nacht mit roher und dumpfer Gewalt. Tag und Nacht herrschen Lärm und Dampf, und die Fabrik schröpft unerbittlich Stahl und Mensch, um Menschen aus ihnen herauszupressen. Das Gedicht vermittelt eine düstere und bedrückende Stimmung, die die harten Arbeitsbedingungen und die Ausbeutung der Arbeiter in der Fabrik widerspiegelt. Die Bilder von Qualm, Lärm und unerbittlicher Arbeit vermitteln ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und des Leidens. Engelke kritisiert die unmenschlichen Bedingungen in der Fabrik und die Auswirkungen auf das Leben der Arbeiter, die in einem Teufelskreis aus Arbeit und Erschöpfung gefangen sind.

Schlüsselwörter

schlot mann schicht stunde nacht düster breit kahl

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Stilmittel

Alliteration
Düster, breit, kahl und eckig
Metapher
Stahl und Mensch um Menschen aus
Personifikation
Pfiff heiser gellt