Die Erlen

Novalis

1772

Wo hier aus den felsichten Grüften Das silberne Bächelchen rinnt, Umflattert von scherzenden Lüften Des Maies die Reize gewinnt,

Um welche mein Mädchen es liebt Das Mädchen so rosicht und froh Und oft mir ihr Herzchen hier gibt, Wenn städtisches Wimmeln sie floh;

Da wachsen auch Erlen, sie schatten Uns beide in seliger Ruh, Wenn wir von der Hitze ermatten Und sehen uns Fröhlichen zu.

Aus ihren belaubeten Zweigen Ertönet der Vögel Gesang Wir sehen die Vögelchen steigen Und flattern am Bache entlang.

O Erlen, o wachset und blühet Mit unserer Liebe doch nur Ich wette, in kurzer Zeit siehet Man euch als die Höchsten der Flur.

Und kommet ein anderes Pärchen, Das herzlich sich liebet wie wir Ich und mein goldlockiges Klärchen, So schatte ihm Ruhe auch hier.

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Illustration zu Die Erlen

Interpretation

Das Gedicht "Die Erlen" von Novalis beschreibt eine idyllische Naturlandschaft, in der ein silbernes Bächlein durch felsige Grüfte fließt. Die Umgebung wird von spielenden Lüften umgeben und gewinnt im Mai an Reiz. Diese idyllische Szenerie wird zum Lieblingsort des lyrischen Ichs und seines Mädchens, das hier Trost und Ruhe vor dem städtischen Treiben findet. Die Erlenbäume, die an diesem Ort wachsen, spenden dem lyrischen Ich und seinem Mädchen Schatten und bieten ihnen einen Ort der seligen Ruhe, besonders wenn sie von der Hitze ermüdet sind. Die Vögel, die in den belaubten Zweigen der Erlen singen und um den Bach herumflattern, tragen zur friedlichen Atmosphäre bei. Das lyrische Ich wünscht sich, dass die Erlen mit ihrer Liebe wachsen und blühen mögen, und prophezeit, dass sie bald die höchsten Bäume der Umgebung sein werden. Abschließend wünscht sich das lyrische Ich, dass auch ein anderes liebendes Paar, wie sie selbst mit seinem Mädchen Klärchen, an diesem Ort Ruhe finden möge. Die Erlen sollen also nicht nur für das lyrische Ich und sein Mädchen, sondern auch für andere Liebende ein Ort der Erholung und des Friedens sein. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Verbundenheit mit der Natur und die Hoffnung, dass die Liebe und das Glück, das das lyrische Ich mit seinem Mädchen teilt, von den Erlen symbolisiert und an andere weitergegeben wird.

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Stilmittel

Metapher
Als die Höchsten der Flur
Personifikation
So schatte ihm Ruhe auch hier