Die Entschwundene

Gottfried Keller

1819

Es war ein heitres goldnes Jahr, Nun rauscht das Laub im Sande, Und als es noch im Knospen war, Da ging sie noch im Lande.

Besehen hat sie Berg und Tal Und unsrer Ströme Wallen; Es hat im jungen Sonnenstrahl Ihr alles wohlgefallen.

Ich weiss in meinem Vaterland Noch manchen Berg, o Liebe, Noch manches Tal, das Hand in Hand Uns zu durchwandern bliebe.

Noch manches schöne Tal kenn ich Voll dunkelgrüner Eichen; - O fernes Herz, besinne dich Und gib ein leises Zeichen!

Da eilte sie voll Freundlichkeit, Die Heimat zu erlangen - Doch irrend ist sie allzuweit Und aus der Welt gegangen.

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Illustration zu Die Entschwundene

Interpretation

Das Gedicht "Die Entschwundene" von Gottfried Keller beschreibt die Sehnsucht und den Verlust einer geliebten Person, die einst die Schönheit der Heimat genossen hat. Die Stimmung ist melancholisch und nostalgisch, da der Sprecher sich an eine goldene Zeit erinnert, in der die Geliebte noch anwesend war. Die Natur wird als Hintergrund verwendet, um die Vergänglichkeit der Zeit und das Fehlen der Geliebten zu unterstreichen. Der Sprecher reflektiert über die gemeinsamen Erlebnisse mit der Geliebten, die die Berge, Täler und Flüsse bewundert hat. Die Natur wird als Quelle der Freude und des Glücks dargestellt, das die Geliebte einst empfunden hat. Der Sprecher wünscht sich, dass sie zurückkehrt und die verbleibenden schönen Orte gemeinsam erkundet, was auf eine tiefe emotionale Bindung und geteilte Erinnerungen hindeutet. Im letzten Vers wird deutlich, dass die Geliebte unwiederbringlich verloren ist. Der Sprecher beschreibt, wie sie voller Freundlichkeit versucht hat, nach Hause zurückzukehren, aber letztendlich "aus der Welt gegangen" ist. Dies impliziert, dass sie gestorben ist, und der Sprecher bleibt mit der schmerzhaften Erkenntnis zurück, dass sie für immer von ihm getrennt ist. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit und der Akzeptanz des Verlustes.

Schlüsselwörter

tal berg manches hand voll heitres goldnes jahr

Wortwolke

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Stilmittel

Apostrophe
O fernes Herz, besinne dich
Bildsprache
Noch manches schöne Tal kenn ich Voll dunkelgrüner Eichen
Hyperbel
Und als es noch im Knospen war, Da ging sie noch im Lande
Metapher
Doch irrend ist sie allzuweit Und aus der Welt gegangen
Personifikation
Nun rauscht das Laub im Sande