Die englischen Fräuleins

Klabund

1890

Die englischen Fräuleins gehen in langer Kette durch die Stadt, Zwei und zwei, in ihren schwarzen Mänteln wie Morcheln, die man aus dem Boden gerissen hat. Aber im Sommer tragen sie violette Schärpen um den Leib. Sie schlafen allein im Bette. - - - - - - - - - - - Manche ist so schön, Man möchte einmal mit ihr schlafen gehn. Aber sie sind so klein in ihren schwarzen Kapuzen, Ich glaube, wenn man sie lieben will, braucht man ein ganzes Dutzend.

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Interpretation

Das Gedicht "Die englischen Fräuleins" von Klabund beschreibt die stereotypische Vorstellung von englischen Frauen, die in strenger, formeller Kleidung durch die Stadt gehen. Die "lange Kette" und das "Zwei und Zwei" deuten auf eine disziplinierte, vielleicht sogar militärische Ordnung hin. Die schwarzen Mäntel, verglichen mit aus dem Boden gerissenen Morcheln, vermitteln ein Bild von Düsternis und Verdrängung. Die violetten Schärpen im Sommer bringen einen Hauch von Farbe und Weiblichkeit in das Bild, doch die Frauen schlafen allein in ihren Betten, was ihre Isolation und Unnahbarkeit unterstreicht. Die zweite Strophe des Gedichts offenbart eine ambivalente Haltung gegenüber den englischen Fräuleins. Einerseits werden sie als schön beschrieben, was eine gewisse Anziehungskraft ausdrückt. Andererseits wird ihre Kleinheit in den schwarzen Kapuzen betont, was sie kindlich und unschuldig erscheinen lässt. Die abschließende Zeile, dass man ein ganzes Dutzend brauchen würde, um eine zu lieben, ist eine humorvolle Übertreibung, die die Schwierigkeit und vielleicht auch die Frustration beim Versuch, eine englische Frau zu erobern, zum Ausdruck bringt. Klabund nutzt in diesem Gedicht eine Mischung aus humorvoller Ironie und sozialer Kritik. Die Beschreibung der englischen Fräuleins als streng, diszipliniert und unnahbar spiegelt möglicherweise die damalige Wahrnehmung der englischen Gesellschaft wider, die durch ihre konservativen Werte und ihre Zurückhaltung in Liebesdingen bekannt war. Das Gedicht kann als eine Art spielerische Auseinandersetzung mit kulturellen Stereotypen und der Faszination des Fremden verstanden werden.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildlichkeit
violette Schärpen um den Leib
Hyperbel
braucht man ein ganzes Dutzend
Metapher
in ihren schwarzen Mänteln wie Morcheln, die man aus dem Boden gerissen hat
Personifikation
Die englischen Fräuleins gehen in langer Kette durch die Stadt
Vergleich
in ihren schwarzen Mänteln wie Morcheln