Schad′ ist′s wahrlich, daß doch das vatican′sche Museum
Eingesperrt ist in Haus, Zimmer und Saal und Gemach.
Besser stünd′s auf dem Corso in Einer Reihe, so könnte
Man′s mit weniger Zeit doch auch zu Pferde besehn.
Die Engländer über den Vatican
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Die Engländer über den Vatican“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine ironische Betrachtung der kulturellen Wahrnehmung und des Tourismus im frühen 19. Jahrhundert, speziell im Kontext des Besuchs des Vatikans durch englische Reisende. Es ist ein kurzes, prägnantes Gedicht, das auf humorvolle Weise die Effizienz und Nützlichkeitsorientierung englischer Reisender kritisiert, die offensichtlich den ästhetischen Wert und die kulturelle Bedeutung der Kunstwerke im Vatikan übersehen.
Der Autor beginnt mit einem ironischen „Schad′ ist′s wahrlich“, was darauf hindeutet, dass es bedauerlich ist, dass das vatikanische Museum in einem Gebäude eingeschlossen ist. Die Wiederholung von „Haus, Zimmer und Saal und Gemach“ betont die räumliche Begrenzung und die Unmöglichkeit, die Kunstwerke in ihrer Gänze zu erfassen. Diese Erwähnung deutet auf das Unbehagen des Sprechers über die Unbequemlichkeit der Betrachtung der Kunstwerke in einem traditionellen Museumsumfeld hin.
Der zweite Teil des Gedichts enthält die eigentliche Pointe: Die Aussage, dass es besser wäre, wenn die Kunstwerke „auf dem Corso in Einer Reihe“ stünden, so dass man sie „zu Pferde“ betrachten könnte. Diese Vorstellung ist absurd, denn sie reduziert die Kunstwerke auf eine reine, schnelle, und oberflächliche Betrachtung. Der Vergleich mit dem Corso, einer berühmten römischen Straße, impliziert eine oberflächliche und hastige Betrachtung, die von der Effizienz getrieben ist. Waiblinger karikiert hier die englischen Touristen, die Kunstwerke als eine Art Checkliste betrachten und ihre Zeit optimal nutzen wollen, ohne die tieferen Bedeutungen zu würdigen.
Die Verwendung einfacher Sprache und Reimschemata verstärkt den ironischen Unterton des Gedichts. Waiblinger nutzt die schlichte Sprache, um die Gedanken der Reisenden nachzuahmen und gleichzeitig seine Kritik auszudrücken. Das Gedicht ist ein scharfer Kommentar zur Art und Weise, wie einige Touristen Kunst und Kultur wahrnehmen. Es stellt die Frage nach dem wahren Wert der Kunst und der kulturellen Erfahrung, die verloren geht, wenn man sich ausschließlich auf Effizienz und Oberflächlichkeit konzentriert.
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Lizenz und Verwendung
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