Die Einsame
unknownIch ziehe meine Einsamkeit um mich, Sie ist so wie ein wärmendstes Gewand An mir geworden ohne Kniff noch Stich, Wenn auch der Ärmel fällt tief über meine Hand. Ein Ungekannter hat ihr Maß gezirkt, Die fremdes Antlitz fühlt als trübes Wehn; Die großen Schwarzhalsschwäne sind gewirkt In ihre Falten; aber ich nur kann sie sehn. Es tun sich meine innren Blicke auf - Ein Pfauenauge, das die Flügel schließt - Und schaun der Welle jadefarbnen Lauf, Die alte Säume licht und strömend übergießt. Sie feuchten so wie einer Elbe Haar. Sie tragen noch den Fluss. Sie schleppen tief. Und graues Berggestade fängt das Jahr, Das wie ein Vogel ängstlich seine Tage rief. Und nun ist Schweigen, Und das Kleid schwillt nun. Und ich muss wachsen, dass es mir noch ziemt, Drin Fische, wie sie niemals wirklich tun, Um meine Brüste schweben, pupurblau gekiemt. Der Erde Körner sind hineingesät. Aus meiner Schulter bricht ein Felsengold, Das Tuch durchschimmernd, das sich schleift und bläht Und langsam über meiner Stirn zusammenrollt.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Einsame" von Gertrud Kolmar handelt von einer einsamen Person, die ihre Einsamkeit wie ein wärmendes Gewand um sich trägt. Dieses Gewand wurde von einem unbekannten Schneider angefertigt und ist mit großen Schwarzhalsschwänen verziert, die nur die Einsame selbst sehen kann. Die Einsame öffnet ihre inneren Blicke wie ein Pfauenauge und betrachtet die grüne Welle, die die alten Säume erhellt und durchfeuchtet. Die Welle trägt noch den Fluss und schleppt tief, während das graue Berggestade das Jahr einfängt, das wie ein ängstlicher Vogel seine Tage ruft. Das Gedicht beschreibt die Einsamkeit als etwas, das die Person umgibt und durchdringt, aber auch als etwas, das sie schützt und wärmt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Drin Fische, wie sie niemals wirklich tun, Um meine Brüste schweben, pupurblau gekiemt
- Metapher
- Und langsam über meiner Stirn zusammenrollt
- Personifikation
- Das Tuch durchschimmernd, das sich schleift und bläht
- Vergleich
- Die alte Säume licht und strömend übergießt