Die eine Klage
1804Wer die tiefsten aller Wunden hat in Geist und Sinn empfunden, bittrer Trennung Schmerz; Wer geliebt, was er verloren, lassen muß, was er erkoren, das geliebte Herz,
der versteht in Lust die Tränen und der Liebe ewig Sehnen ein in zwei zu sein, eins im andern sich zu finden, das der Zweiheit Grenzen schwinden und des Daseins Pein.
Wer so ganz in Herz und Sinnen könnt ein Wesen lieb gewinnen, o′ den tröstet′s nicht, das für Freuden, die verloren, neue werden neu geboren: Jene sind′s jedoch nicht.
Das geliebte, süße Leben dieses Nehmen und dies Geben, Wort und Sinn und Blick, dieses Suchen und dies Finden, dieses Denken und Empfinden gibt kein Gott zurück.
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Interpretation
Das Gedicht "Die eine Klage" von Karoline von Günderode handelt von tiefem Schmerz und Verlust, der durch die Trennung von einem geliebten Menschen entsteht. Die Autorin beschreibt, wie jemand, der diese tiefe Wunde erfahren hat, die Tränen in der Lust und das ewige Sehnen der Liebe versteht. Es geht um das Verlangen, eins mit dem geliebten Menschen zu sein und die Grenzen der Zweisamkeit zu überwinden, um der Pein des Daseins zu entfliehen. Die zweite Strophe verdeutlicht, dass jemand, der eine solche Liebe erlebt hat, nicht durch neue Freuden getröstet werden kann. Die verloren gegangene Liebe ist einzigartig und kann nicht durch etwas anderes ersetzt werden. Es ist ein Schmerz, der tief in Herz und Sinnen verwurzelt ist und nicht einfach durch neue Erfahrungen oder Beziehungen geheilt werden kann. Im letzten Abschnitt des Gedichts betont die Autorin, dass das geliebte Leben, das aus Nehmen und Geben, Worten und Blicken, Suchen und Finden, Denken und Empfinden besteht, nicht durch einen Gott zurückgegeben werden kann. Es ist ein Verlust, der unwiederbringlich ist und den Schmerz der Trennung noch verstärkt. Die Klage des Gedichts ist somit eine tiefe und unauslöschliche Trauer um eine verlorene Liebe.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Das geliebte, süße Leben
- Parallelismus
- dieses Nehmen und dies Geben, Wort und Sinn und Blick, dieses Suchen und dies Finden, dieses Denken und Empfinden
- Personifikation
- Wer die tiefsten aller Wunden hat in Geist und Sinn empfunden, bittrer Trennung Schmerz