Die Eichbäume

Friedrich Hölderlin

1797

Aus den Gärten komm ich zu euch, ihr Söhne des Berges! Aus den Gärten, da lebt die Natur geduldig und häuslich, Pflegend und wieder gepflegt mit dem fleißigen Menschen zusammen. Aber ihr, ihr Herrlichen! steht, wie ein Volk von Titanen In der zahmeren Welt und gehört nur euch und dem Himmel, Der euch nährt` und erzog, und der Erde, die euch geboren. Keiner von euch ist noch in die Schule der Menschen gegangen, Und ihr drängt euch fröhlich und frei, aus der kräftigen Wurzel, Unter einander herauf und ergreift, wie der Adler die Beute, Mit gewaltigem Arme den Raum, und gegen die Wolken Ist euch heiter und groß die sonnige Krone gerichtet. Eine Welt ist jeder von euch, wie die Sterne des Himmels Lebt ihr, jeder ein Gott, in freiem Bunde zusammen. Könnt ich die Knechtschaft nur erdulden, ich neidete nimmer Diesen Wald und schmiegte mich gern ans gesellige Leben. Fesselte nur nicht mehr ans gesellige Leben das Herz mich, Das von Liebe nicht läßt, wie gern würd ich unter euch wohnen.

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Illustration zu Die Eichbäume

Interpretation

Das Gedicht "Die Eichbäume" von Friedrich Hölderlin zeichnet ein lebendiges Bild der Eichenbäume als majestätische und freie Wesen, die sich vom kultivierten Leben in den Gärten abheben. Hölderlin personifiziert die Eichen als "Söhne des Berges", die in ihrer natürlichen Umgebung stolz und unabhängig stehen. Sie werden als "Herrliche" beschrieben, die in einer "zahmeren Welt" leben und nur dem Himmel und der Erde gehören, die sie nähren und geboren haben. Diese Bäume sind frei von menschlicher Beeinflussung und leben in harmonischem Zusammenhalt, jeder ein eigenes "Universum" und "ein Gott". Hölderlin betont die Stärke und Unabhängigkeit der Eichen, die aus ihren kräftigen Wurzeln emporwachsen und den Raum mit der Kraft eines Adlers ergreifen. Ihre sonnigen Kronen richten sich fröhlich und groß gegen die Wolken, was ihre Verbindung zum Himmel und zur Natur symbolisiert. Die Eichen leben in einem "freien Bunde" zusammen, jeder ein Stern am Himmel, was ihre Einzigartigkeit und ihren gemeinsamen Geist unterstreicht. Der Sprecher des Gedichts drückt eine tiefe Bewunderung für die Eichen aus und sehnt sich danach, Teil ihrer Welt zu sein. Er gesteht, dass er die "Knechtschaft" des geselligen Lebens nicht ertragen könnte, wenn er nicht von der Liebe gefesselt wäre. Die Eichen repräsentieren für ihn ein Ideal der Freiheit und Unabhängigkeit, das er bewundert und nach dem er sich sehnt. Das Gedicht endet mit dem Wunsch des Sprechers, unter den Eichen zu wohnen, wenn nicht sein Herz von der Liebe zum geselligen Leben gebunden wäre.

Schlüsselwörter

gärten lebt menschen zusammen welt jeder gern ans

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Stilmittel

Hyperbel
Jeder ein Gott
Metapher
gegen die Wolken ist euch heiter und groß die sonnige Krone gerichtet
Personifikation
die euch nährt` und erzog
Vergleich
wie die Sterne des Himmels